Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Juden und das Wirtschaftsleben. 261 mir der Satz befremdlich: »Das »Reformjudentum« kommt für uns überhaupt nicht in Betracht. Auf Modernität frisierte Bücher, wie die neuzeitlichen Darstellungen der »Ethik des Judentums« sind für unsre Zwecke gänzlich belanglos;.« (S. 241). Ich muß hierzu mit aller Offenheit bemerken, daß ich Herrn Sombart das Recht zu dieser Distinktion, insofern es sich um die Erkenntnis des Judentums handelt, entschieden abspreche. Er würde gegen mich ebenso verfahren, wenn ich behaupten würde, daß für die Erkenntnis des Christentums das »Reformchristentum«, also der Protestantismus nicht in Betracht komme. Herr Sombart stellt sich mit seiner Distinktion auf den Boden des päpstlichen Antimodernismus, den er aber nur für das Judentum gelten läßt; aber wenn er von den neuzeitlichen Darstellungen der »Ethik des Judentums« sagt, sie seien »auf Modernität frisiert«, so muß er sich gefallen lassen, daß die katholische Theologie von den protestantischen Darstellungen der Christliehen Ethik dasselbe behauptet. Was als »Ethik des Judentums« anzuerkennen oder abzulehnen ist, mag strittig sein, (ebenso und nicht um ein Haar anders verhält es sich mit der »Ethik des Christentums«), aber die Entscheidung darüber hängt von der Frage ab, ob und in wieweit sie den allgemein anerkannten jüdischen Grundschriften und ethischen Kompendien entspricht, welche letztere sehr zahlreich, aber Herrn Sombart unbekannt geblieben sind. Aber die erwähnten befremdlichen Behauptungen gehören dem Inventar christlichtheologischer Bekämpfung des Judentums an, ebenso wie die auf S. 239 ausgesprochene, mit bewunderungswürdiger Sicherheit abgegebene Erklärung, daß man aus den jüdischen Religionsbüchern, »besonders aus dem Talmud alles, aber auch alles ,beweisen‘ kann«. Auch Bousset sagt, »daß man mit dem System der dicta probantia aus Mischna und Talmud beweisen kann, was man will«. (Die Religion d. Juden! im neutestam. Zeitalter 2. Aufl. S. 426 Anm. 1). Nur eins kann man natürlich nicht daraus beweisen: was die Meinung