Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 4)
- Language
- German
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260 Die Jaden und das Wirtschaftsleben. wie es bestimmter und abfälliger nicht formuliert werden kann? Sombart verweist allerdings auf das Kapitel über die Wirtschaftsgesinnung, aber davon, daß das »Sündenregister« der Juden »das tägliche Brot in jeder modernen Geschäftsführung bildet«, sagt er hier nichts mehr, jetzt mauscheln nur noch die Juden, und die »kleinen Betrügereien usw.« stecken nunmehr, wovon man in dem obigen Kapitel noch nichts wußte, im Blute, sind also erblich und unausrottbar. Ich will mit diesen Bemerkungen den wissenschaftlichen Charakter des Buches nicht antasten, sondern nur hervorheben, daß ein wenig mehr Vorsicht, um nicht zu sagen, Rücksicht in der Tonfärbung — c’est le ton qui fait la musique — jedem absichtlichen wie unabsichtlichen Mißverständnis vorgebeugt und alle Kautelen überflüssig gemacht haben würde. Ich bringe aber diese Rekriminationen gleich im Eingänge meines Referates vor, um sie vom Herzen zu haben, und desto ungezwungener dem außerordentlichen Fleiß, der großen Belesenheit und dem systematischen Geschick des Verfassers die verdiente Anerkennung zollen zu können. Damit möchte ich nun aber so- Zusagen in einem Aufwaschen noch eines andern Befremdens mich entledigen, das die eigentümliche Bewertung der »judaistischen« d. h. der von Juden über Juden und Judentum verfaßten Schriften in mir hervorgerufen hat. Sombart spricht wiederholt von »offiziös-jüdischer Geschieht- Schreibung« (z. B. S. 360). Was er darunter versteht, ist mir absolut unerfindlich, und die Bezeichnung, welche die Existenz einer für das Gesamtjudentum maßgebenden jüdischen Oberbehörde voraussetzt, nimmt sich bei ihm, der sich doch eingehend mit dem Judentum beschäftigt hat, um so sonderbarer aus, als er wissen muß, daß eine solche Oberbehörde nicht vorhanden ist und daß jeder Jude, der über jüdische Geschichte schreibt, dies ganz und gar auf eigene Faust tut. Soweit ich an der Sache beteiligt bin, kann ich das auf das Bestimmteste versichern. Ferner ist