Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Streit um die jüdische Garküche in Bromberg am Beginne des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Streit um d. jüd. Garküche in Bromberg am Beginne d. 19. Jahrh. 245 in Berlin. Am 19. Dezember 1803 verfügte es ohne weitere Angabe von Gründen, daß der Handel mit alten Kleidern dem Lewin überhaupt nicht zugestanden werden könne. Bezüglich der Konzession zur Garküche setzte es den Beschluß aus, bis auch über Hirsch Gerson und die Rebecka Meyer des näheren berichtet sei, und stellte sich im übrigen auf den rein geschäftlichen Standpunkt, daß es »kein Bedenken zu haben scheint, die Concession einem jeden von ihnen unter der Bedingung des Bestbietenden zu bewilligen.« Nun schaltete sich Hirsch Lewin selber aus der Reihe der Konkurrenten aus. An dem Handeln mit Kleidern hatte ihm wohl schließlich mehr, als an der Garküche gelegen, ln dem dafür angesetzten Termine gab er zu Protokoll, daß er sein Gesuch um Konzession zur Garküche zurückziehe und die Tuchmacherei oder Leinweberei erlernen wolle. Die Meyer offerierte für die Konzession 50 Thaler zum städtischen Baufond und zwei Thaler jährlich zur Kämmereikasse und wurde von Hirsch Gerson bedeutend überboten, der nicht weniger, als 300 Thaler zum städtisehen Baufond, 100 Thaler zur Invalidenkassa und 20 Thaler jährlich zur Kämmerei zu zahlen sich verpflichtete. Bei diesem Übergebote schien die Sache der Meyer vollständig verloren. Grisanowski empfahl rundweg, dem Gerson die Konzession zu geben, unter der Bedingung, kein anderes Geschäft zu treiben. Und wenn auch die Kammer- Deputation noch eine Lanze für die Meyer zu brechen suchte, indem sie in ihren Bericht den Satz einfließen ließ, daß der armen Witwe wohl ein Nebenerwerb zu gönnen wäre, so konnte sie doch nicht umhin, einzuräumen, daß Gerson mehr geboten hat, und es ja danach einmal gehen müsse. Ja, sie schwächte den Hieb, den sie Gerson mit dem Hinweis darauf versetzte, daß noch kein Jude jemals zur Invalidenkassa etwas gezahlt habe, und es darum der Entscheidung des Königs überlassen bleiben müsse, ob