Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Streit um die jüdische Garküche in Bromberg am Beginne des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 Der Streit um d. jüd. Garküche in Bromberg am Beginne d. 19. Jahrh. lieh unangefochten von einer Frau Rebecka Meyer (einmal auch Rebeke Mayren genannt) betrieben. Sie lebte schon seit dem Jahre 1777 in Bromberg, hatte den Petschier- Stecher Meyer Michel geheiratet und ihren Mann nach vielleicht 7jähriger Ehe im Jahre 1788 durch den Tod verloren. Beim Tode ihres Mannes war ihr ältester Sohn Wolff Meyer etwa 6 Jahre alt. Die Witwe mußte an einen Erwerb denken und griff damals wohl zu dem obenerwähnten. Nahezu 15 Jahre hatte sie ihn wie ein Monopol in Händen gehalten. Da erwuchs ihr auf einmal eine scharfe Konkurrenz. Zwei Konkurrenten erstanden der Rebecka Meyer gleichzeitig. Der eine hieß Hirsch Lewin, der andere Hirsch Gerson. Auch Hirsch Lewin wurde durch eine wenigstens augenblickliche Notlage dazu getrieben, sein Brot durch die Garkocherei zu verdienen zu suchen. Er war im Jahre 1803 Beamter der Gemeinde, ihr Schächter geworden, »publiquer Bediente«, hatte sich aber ihrer Gunst nicht lange zu erfreuen. Schon am 23. August 1803 zeigen David Salomon und Aron Lewin1) der Behörde an, daß sie *) ln Gemeindeangelegenheiten gingen die beiden Verwandten allerdings durebaus nicht immer so einträchtig zusammen (vgl. übrigens meinen Artikel »Die drei ersten Grunderwerbs ver suche« in der allg. Zeitung des Judentums, Jahrg. 71, Nr. 28.) Im Jahre 1797 bekun* deten sie gerade in der Beamtenfrage ihre höchste Uneinigkeit und spielten die Schächter gegen einander aus. Von David Salomon wurde damals Israel Samuel engagiert, der sein Befähigungs- Zeugnis, seine קבלה, vom Oberlandesrabbiner Hirschei hatte, von Aron Lewin war damals Hirsch Gerson als Schächter gehalten. Es stimmt somit auch nicht, wenn Herzberg, Geschichte der Juden in Bromberg, Frankfurt am Main 1903, S. 24, annimmt, daß Josua Fränkel im Jahre 1824 der erste Gemeindebeamte war. Hier sei nur noch kurz darauf hingewiesen, daß im Jahre 1801 als Schächter Hirsch Salomon genannt wird, und im Oktober 1803 die Bromberger Juden darum vorstellig werden, »Itzig Joseph, ein Sohn des verstorbenen ordiaairen Schutzjuden Joseph Benjamin aus Strezelno« auf ein Jahr als Schächter zur Probe zu nehmen.