Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 2)
- Language
- German
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Beiträge zur Qeschichte und Literatur im gaonäi sehen Zeitalter. 221 lehrung des Volkes denkt. Das Werk war hebräisch geschrieben, mit Vokalen und Akzenten versehen, gleich dem Sefer ha-Moadim. Leider sind uns von dem eigentlichen hebräischen Original nur die Einleitung, und zwar ziemlich lückenhaft, und Kapp. 1—3, wenn auch nicht vollständig, erhalten1). Die das eigentliche Werk bildenden ersten sieben Kapitel8) sind, nach der uns von Saadja gegebenen Schilderung, eine Fundgrube reicher Belehrung in historischer und literarischer Hinsicht im Allgemeinen8), wie besonders betreffs seiner eigenen Erlebnisse und seiner literarischen Tätigkeit gewesen4), so daß der Verlust des Originals ein recht bedauerlicher ist. Es werden ferner theologische Themata, wie Erklärung der Gebote, in Verbindung mit der Berechnung der Erlösung5), behandelt. Die letzten 3 Kapite sind besonders sprachlichen Inhalts, mit dem ausgesprochenen Zweck, die Kenntnis der Handhabung des Hebräisehen in Prosa und gebundener Rede, wie in mündlichem Ausdruck, zu verbreiten, und so dem durch Überhandnehmen des Arabischen zu befürchtenden Vergessen der Muttersprache vorzubeugen; es ist somit eine Ergänzung seines Erstlingswerkes, des Agrön6). Was nun das Persönliche des Streites betrifft, so ist es nicht zu verwundern, daß Saadja auch seine Gegner angreift, ') Vgl. Saadyana Nr. I, S. 4—7; vgl. auch Schechter’s Vor* * bemerkungen. *) Eine Analyse des ganzen Werkes gibt Harkavy a. a. O., S. 142—145. *) Vgl. besonders Saadyana, S. 5, das erste Kap. des Werkes, wo von der Sammlung der mündlichen Lehre gesprochen Wird. Merkwürdig ist, daß hier derZeitraum von rund 500 Jahren nach קין יאמין, also cirka 568—578 d. gew. Zeitrechnung, als Abschluß des ganzen Talmud angenommen wird, während in Saadja’s Wiedergabe in der zweiten Bearbeitung nur die Zeit des Abschlußes der Mischna angegeben ist. *) Vgl. hierüber besonders a. a. O., S. 143. 5) Dieses wird im 5. Kap. behandelt; vgl. a. a. O., S. 154, Z. 6. 6) Vgl. a. a. O., S. 155-156.