Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
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184 Die talmudisclie Literatur der letzten Jahre. der Fälle B, C ... X auslöst. Ist nun der Richter zugleich Lehrer, so kann er — auch dies ist ein psychologisches Gesetz — seinem Schüler die Entscheidung in den Fällen A...X nur iri der Weise überliefern, daß er bei der Behandlung des Falles A nach dem Prinzip a auch die anderen nach demselben Prinzip zu beurteilenden Fälle heranzieht. Die Zusammenstellung der Fälle A ... X mit dem gemeinsamen Entscheidungsprinzip a, der Fälle A1,.. X1 mit dem Prinzip a1 usw. ergibt sich auf diese Weise naturnotwendig ohne äußere Veranlassung. Halacha- Ordnungen nach naturgemäßen, inneren Prinzipien sind also so alt wie die Halacha selbst. Sie sind aus Theorie und Praxis von selbst herausgewachsen. Dies bedarf ebensowenig eines Beweises wie jedes andere psychologische Gesetz. Später entstanden nach 1 it erari sch - künstlich e n Prinzipien gemachte Ordnungen, die die ursprünglichen naturgemäßen Zusammenhänge oft zerrissen und sprengten. Das nächstliegende literarische Ordnungsprinzip ist die Reihenfolge der Gesetze in der Schrift. Die Ordnung nach dem Seder Mikrä darf daher als die älteste künstliche Hälachaordnung angesehen werden. Daß später auch der Kampf gegen den Sadduzäismus und andere Häresien künstliche Hälachaordnungen ins Leben gerufen, ist nicht unwahrscheinlich. Soviel kann man von der Rosenthalschen Hypothese behalten und nützlich verwenden. Auch die Ausführungen R.’s über die Rücksicht auf das Gedächtnis als Ordnungsprinzip: nach gewissen Schlag- Wörtern, Zahlenverhältnissen, End- und Stabreim und dgl. enthalten ebenfalls ein Körnchen Wahrheit. Daß die Öränung nach innerrt Gesichtspunkten als die älteste und ursprünglichste angesehen werden muß, ist oben ausgeführt worden. »Ich würde mich — versichert R. — glücklich schätzen, sollte es mir gelungen sein, etwas zur inneren Einleitung