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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 172

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1911-01-01
Page
Seite 172 (sequence 13)
Language
German
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172 Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus die übrigen Evangelien nichts. Das ist genuin paulinische Auffassung, wie denn die ganze evangelische Darstellung der Kreuzigung und Auferstehung aus dieser Quelle geflössen1). Hier gab es sonst keine ursprüngliche sichere Überlieferung. Die Jünger Jesu waren von der über -sie hereingebrochenen Katastrophe zerschmettert, und es mußte lange gedauert haben, bis sie sich wieder gefaßt und auf neuer Grundlage ihre messianischen Hoffnungen Aufgebaut hatten: auf der Grundlage der Kreuzigung und Auferstehung. — Liest man aber die beiden letzten Kapitel der Evangelien, so gleitet man glatt von der Kreuzigung .Jesu zur Wiedersammlung seiner Anhänger hinüber, nicht ahnend, daß dazwischen eine ganze Welt neuer Gedanken liege, daß sich erst im Paulinismus die Vorstellung von dem Opfertod und der Auferstehung zur Idee der Welterlösung verdichtete, die nachträglich in den Evangelien zum Ausdruck gebracht wurde. — Sieht man näher zu, so findet man es selbst bei Marcus und Lucas ange- .deutet, daß der Glaube an die Auferstehung Jesu, an welchen Paulus sich mit soviel Inbrunst klammert, nicht aus den Kreisen der Apostel hervorgegangen ist, sondern in dieselben hineingetragen wurde. Beide Evangelisten berichten, daß die Apostel diesem Glauben Zweifel entgegenbrachten, die von dem Auferstandenen bezwungen werden mußten: er schalt sie trägen Herzens, daß sie den Weissagungen nicht Glauben schenken wollten2). Er schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten au fers tan den«9). War aber der paulinische Christus das gottgewollte Opferlamm!«, das gerne der Welt Sünden auf sich nahm, so konnten die Juden, sofern sie ihn nach dem Ratschlüsse J) Das geht unverkennbar aus 1 Kor. 15, 3—8 hervor. 2) Luc. 24, 25. s) Marc. 16, 14.

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