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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1911-01-01
Page
Seite 164 (sequence 5)
Language
German
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164 Wie verhielt sich das Jndentam zu Jesus merkenswerten Bewegung seiner Zeit Notiz nimmt, von Jesus keine Kenntnis hat, während er den Täufer und die von ihm hervorgerufeneTaufbewegung haarscharf zeichnet und auch sonst von verschiedenen falschen Messiasen zu berichten weiß. Und schließlich entzog sich Jesus der Aufmerksamkeit der Machthaber dadurch, daß er Jerusalem, das Zentrum alles politischen und religiösen Lebens, solange es nur immer anging, mied und sich, sobald er sich verfolgt wähnte, in die Gegenden jenseits des Jordans, wo er großen Anhang hatte und sich geborgen wußte, zurückzog1). Kam er aber nach Jerusalem, so war sein Untergang gewiß. Und das wußte er: er ging auch dahin, um zu sterben8). Denn die Anklage gegen ihn war bald erhoben. Fragt sich nur, wer sie erhob. Wer aber hatte eigentlich ein vitales Interesse an der Beseitigung Jesu? Das jüdische Volk nicht. Das geht vielfach aus den Evangelien selber hervor, obgleich diese letzteren andererseits wieder bemüht sind, alle Schuld der Kreuzigung auf dieses zu wälzen. Die volksführenden pharisäischen Gesetzlehrer nicht; das lehren uns Josephus, die Apostelgeschichte und der Talmud. Nach Lucas waren es merkwürdigerweise Pharisäer, die Jesum zur Flucht mahnten, da Herodes ihn töten wolle*). Bleiben nur die von ihm an den Pranger gestellten »heuchlerischen Pharisäer«, die wie die entarteten Gyniker jener Zeit, an allen Straßenecken, wo immer politische und materielle Vorteile zu erhaschen waren, ihre verderbliche Tätigkeit entfalteten, die unter dem Mantel pharisäischer Frömmigkeit Ehr- und Habsucht verbargen. Die »Gefärbten«, wie sie die Gesetzeslehrer des Talmud nannten, vor ihnen in den allerstärksten Ausdrücken warnend, sie als die »Geißel der Pharisäer« bezeichnend. Diese waren noch weit gefährlicher als jene ') Joh. 10, 40. ־) Luc. 13, 33. ף Luc. 13, 31.

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