Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 4)
- Language
- German
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und dem entstehenden Christentum? 163 er erklärte, der Politik völlig fern zu stehen, da sein Reich nicht von dieser Welt? Es war eine Zeit, in der man nicht mehr nach der Ursache einer Ansammlung fragte, sondern sie blind unterdrückte. Die bleiche Furcht vor dem Gespenst des Messianismus, der horror vor den Judaeis impulsore Chresto assidue tumultuantibus hielt nicht bloß die römischen sondern auch die Herodäischen Machthaber in Atem und trieb sie an, unterschiedlos jede Volksan- Sammlung zu unterdrücken. Nicht ohne geschichtlichen Untergrund läßt die Sage schon den ersten Merodes aufs tiefste erschrecken, als er vernimmt, daß die Weisen vom Morgenlande den Stern des neugeborenen Königs der Juden aufgehen gesehen, und »alle Hohenpriester und Schriftgelehrten versammeln, um von ihnen zu erforschen, wo Christus sollte geboren werden.« Und als er erfuhr, daß geweissagt sei, seine Geburt werde in Bethlehem-Juda erfolgen, habe er alle Kinder daselbst tödten lassen. Der geschichtliche Kern der Sage ist aber der, daß im Volke schon zur Zeit des ersten Herodes die Hoffnung auf das baldige Erscheinen des Messias lebendig war, und daß die Machthaber argwöhnisch die messianischen Regungen belauerten, entschlossen, sie im Keime zu ersticken. Jesus nun, der stets von Volksmassen umgeben war, wußte sich von allem Anfang dem Tode geweiht. Um aber nicht schon am Beginn seiner Lehrtätigkeit hinweggerafft und an der Verbreitung seiner Botschaft gehindert zu werden, vermied er es sorgfältig, den Verdacht zu erregen, als Messias auftreten zu wollen. Darum verbot er seinen Jüngern, die in ihm den erwarteten Messias zu erblicken anfingen, diese ihre Vermutung laut werden zu lassen. Und wie wenig er tatsächlich aus seiner Reserve heraustrat, seine ganze Wirksamkeit auf die Volksbelehrung und auf Krankenheilung beschränkend, lehrt am deutlichsten die Tatsache, daß Josephus, der von jeder nur irgendwie be- 11*