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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 158

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Die Ecke mit der letzten Garbe
Date
1911-01-01
Page
Seite 158 (sequence 3)
Language
German
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158 Die Ecke mit der letzten Garbe. Sie sei uns im nächsten Jahr So gut, wie sie es diesmal war1). Wenn man dem Korndämon nicht einen Rest des ,Getreides als Unterhalt für den Winter auf dem Felde stehen läßt, fällt er dem Bauer im Winter in die Scheune und frißt sie leer2 *). Wir stehen hier vor einem Brauche, der, wie es scheint, .auf der ganzen Erde heimisch war. So berichtet auch Holwerda in der »Religion der Griechen«*) von der Gottheit, .die in jedem fruchtbestandenen Felde haust, und sobald man zu mähen anfängt, mit jedem Schwaden, der unter den Streichen der Sichel fällt, zurückweicht, bis ihr endlich nur die letzte Garbe als Zufluchtsort verbleibt, die dann als das die Gottheit enthaltende Idol betrachtet wird. Aber auch heute noch ist diese Vorstellung in Hinterindien lebendig, und zwar umfaßt dort der Brauch nach Bastian außer den Getreidefeldern auch die Wälder. »Ist es zur Urbarmachung des Bodens notwendig, die Wälder auszuroden, so überläßt man dieses bedenkliche Geschäft gerne verachteten Rassen, die, um das Ärmliche ihrer Lage zu ,erleichtern, auch sündhafte Schandtaten nicht scheuen, und dem Zorne der Götter zu trotzen wagen. In Hinterindien sind besonders die Karen damit beauftragt, und nach Schweden berief man die Finnen. Stets aber läßt man dem Geistervolk des Waldes einen Teil seiner früheren Behausung zurück, seien es auch nur ein paar kahle Stümpfe auf der Stelle des früheren Waldes. Dieser Stumpf ist dann selbst ein Gott und mag durch hermesartige Gesichtsanschnitzung bis zur Statue verschönt werden«4). 1) Korndämonan. S. 22. 2) Antike Wald« und Feldkulte S. 170, 192. s) In Chantepie de la Saussaye, Religionsgeschichte 2II, S 252. 4) Bastian, Der Baum in vergleichender Ethnologie, Zeitschrift f. vergl. Völkerpsychologie, V, 1. 288. 300. Über die Parallelen im griechischen Brauch bei der Eiresione vgl. Mannhardt, Antike Wald-

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