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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 157

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Die Ecke mit der letzten Garbe
Date
1911-01-01
Page
Seite 157 (sequence 2)
Language
German
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Die Ecke mit der letzten Garbe. 15 7 sterben1). Durch diese Furcht entstand aus der wohl älteren, weil primitiveren, theriomorphischen Form der Sitte, die in der Gefangennahme des Dämons in der letzten Garbe gipfelte, der Glaube an eine menschlich gestaltete G.ottheit, die Ober das Gedeihen des Feldes wacht, und der der Mensch in demütiger Verehrung die letzten Erntebüschel weiht Diese Sitte bestand z. B. früher in Mecklenburg, wo man für Wodans Roß die letzten Halme ungemäht auf dem Acker stehen ließ. Eine Mischung beider Formen der Erntesitte findet sich in Groß-Trebbow bei Schwerin, wo die letzten Ähren nicht vom Felde geholt werden, sondern dem Wolf als Futter für sein Pferd stehen bleiben2). Weitverbreitet ist auch die Vorstellung, man müsse dem Dämon ein Büschel Ähren auf dem Felde bei der Ernte übrig lassen, damit er sich davon den Winter über nähren könne. Denn der Dämon lebe von dem Getreide, das er um seiner eigenen Ernährung willen hervorbringe, wie die Biene zu ihrer Speise den Honig zusammenträgt. Der Mensch nimmt ihm die Früchte seiner Tätigkeit zum Gebrauch für sich selbst, ist aber verpflichtet, ihm wenigstens einen Rest zu lassen. Daher ließ man in der Gegend von Gardelegen einige Halme auf dem Acker stehen mit den Worten : »Das soll der Bock behalten.« Im südlichen Schweden entspricht der deutsehen Roggenmutter die Gloso. Für sie läßt der Bauer einige ungemähte Ähren auf dem Felde, einige Äpfel auf dem Baume zurück mit der ausdrücklichen Bestimmung: »Das soll die Gloso haben«3). Läßt man beim Schneiden der Frucht der Roggenmutter etwas Getreide übrig, so sagt man : Wir geben’s der Alten, Sie soll es behalten, ג) Mannhardt, Die Korndämotien, Berlin 1868, S. 5. s) Roggenwolf S. 44. 3) Korndämonen S. 8, auch Mannhardf, Antike Wald• und Feldkulte. Berlin 1877, S. 170.

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