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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 151

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 151 (sequence 23)
Language
German
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Kürzen und Längen in der Bibel. 151 Deshalb änderte er die Reihenfolge der Vorgänge, wodurch in dem mit dem tatsächlichen Sachverhalt vetrauten Leser eine stille Bewunderung Eliesers erweckt wird, die dessen! bescheidene, seine Voraussicht unterdrückende Darstellung notwendig hervorbringen muß. Dies sind ungemein feine und wirksame Beleuchtungseffekte in dieser Erzählung, die auf die natürlichste und ungezwungenste Weise herbeigeführt werden. Daß Elieser ferner in seinem Eigenberichte den Wert des Rebekka übergebenen Geschenkes verschweigt, ist bei der vornehmen Haltung, die wir nun bereits an ihm wahrgenommen haben, selbstverständlich, aber der Erzähler seinerseits sieht sich umso mehr zur genauen Wertangabe veranlaßt, um die Vornehmheit Elieser’s in die richtige Beleuchtung zu rücken. Auch die Art, wie er sich vorstellt, entspricht dieser Haltung. »Der Knecht Abrahams bin ich« (das. 34). Das »Ich« kommt zuletzt. Der Talmud (Bab. kamma 92b) allerdings erklärt diese Vorstellung mit dem Sprichwort, daß man eine nicht gerade schmeichelhafte Eigenschaft, die man etwa besitzt, lieber selber angebe, ehe man von anderen dazu genötigt und in Verlegenheit gebracht wird. Aber ein Knecht Abrahams zu sein, erschien in den Augen Elieser’s gewiß nicht unehrenhaft. Er unterläßt es sogar, sich den vornehmeren Titel eines Hausverwalters Abrahams beizulegen, womit dieser ihn ausgezeichnet hat (das. 15,2). So schlingen sich durch die Wiederholung feine Änderungen, die wie glitzernde Edelsteine das bereits Bekannte in immer neuer, reizvoller Beleuchtung zeigen. Insofeme gehört diese Schilderung des schon an sich anmutigen Vorganges zu den glänzendsten Zeugnissen der biblischen Erzählungskunst, insbesondere belehrt sie darüber, wie man lang sein kann, ohne langweilig zu werden. 2. Wenn vorhin die Meinung der alten Lehrer, daß die Tora mit der wiederholentlichen Erzählung von der Brautwerbung Eliesers eine Auszeichnung desselben beabsichtige, als eine agadische, wissenschaftlicher Auffassung

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