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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 150

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 150 (sequence 22)
Language
German
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150 Kürzen und Langen in der BibeL Patriarchendieners mehr Gefallen gefunden habe, als arr der Unterweisung der Nachkommen der Erzväter, da die Geschichte von der Brautwerbung Eliesers doppelt in der Tora vorkomme, während wichtige Lehren bloß angedeutet seien. Damit ist aber nur eine natürliche Erscheinung erklärt, nämlich die von dem Erzähler auf den Leser oder Zuhörer übergehende Freude an dem Bericht. Wir können uns an■ einer schönen Geschichte nicht satt hören. So geht es; uns auch bei dieser Geschichte, und es ist das Geheimnis der Erzählungskunst, daß wir offenbare Längen nicht nur nicht als solche empfinden, sondern uns dabei noch für zu kurz abgespeist halten. Es wäre aber ein Irrtum, wenn■ wir mit dieser allgemeinen Charakteristik die Erzählungskunst der Tora für erschöpft halten wollten. Die Geschichte von der Brautwerbung Eliesers erteilt darüber die belehrendsten Fingerzeige. Einmal ist die Wiederholung keine sklavisch getreue, sondern es sind hie und da scheinbar belanglose Änderungen angebracht, die uns aber wie plötzlieh aufblitzende Lichter die feinsten Züge an den Beteiligten wahrnehmen lassen. Eine der bemerkenswertesten dieser Änderungen besteht darin, daß Elieser, während er in dem Bericht des Erzählers Rebekka zuerst beschenkt (das. v, 22) und nachher über ihre Herkunft befragt (das. v. 23), in seinem eigenen Berichte die Vorgänge umkehrt. Diese Änderung ist natürlich schon den Alten aufgefallen und von ihnen besprochen worden. Sie ist darauf zurückzuführen, daß der Erzähler das felsenfeste Gottvertrauen Eliesers bezeugt. Für ihn war nach dem Eintreffen des verabredeten Zeichens, nämlich der Tränkung der Kameele, der Erfolg bereits gewiß und jeder Irrtum ausgeschlossen. Würde nun Elieser selbst den Vorgang so wie er sich tatsächlich abgespielt, berichtet haben, so hätte er, um seine scheinbare Voreiligkeit zu begründen, auf sein Gottvertrauen sich berufen müssen, wodurch er sich aber einer anmaßlichen Selbstsicherheit schuldig gemacht haben würde.

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