Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kürzen und Längen in der Bibel
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 21)
- Language
- German
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Kürzet! und Längen in der Bibel. 149 sich jedoch mit seiner zunehmenden Ohnmacht. Zuerst sagt er noch maßvoll von seiner Berufung : »Von Äram ließ mich holen Balak, der König: Moabs u. s. w.« (IV. B. Mos. 23, 7), um mit großem Pathos fortzufahren: »Auf Balak, 0 höre! Neige her das Ohr zu mir, Sohn des Zippor!« (das. das. 18) und endlich in ganz außer Rand und Band geratener Aufgeblasenheit zu bramarbasieren: »Spruch Bileams, des Sohnes Beor, Spruch des Mannes geoffenbarten Auges, Spruch dessen, der Reden Gottes hört, der Gesichte des Allmächtigen sieht, hinfallend und enthüllter Äugen« (das. 24, 3 ff), was sich noch einmal (das. das. 15 ff) wiederholt• Man sieht ordentlich an dem zunehmenden Wortreichtum, wie Bileam der Kamm schwillt, wobei noch hervorzuheben ist, daß der hebräische Ausdruck für »Spruch« — נאום — im allgemeinen nur mit folgendem Gottesnamen gebrauchlieh ist, während er von Bileam für sich in Anspruch genommen wird. In dieser Ausartung und Verzerrung des Persönlichkeitsgefühls haben wir also die Probe für die Aufstellung, daß es tatsächlich, aber in edelstem Sinne das Merkmal feierlicher Reden und Gesänge in der Tora ist, wodurch denn in den Eingängen die Selbstbetonung in größerer oder geringerer subjektiver Länge erfolgt. Ihr zur Seite gehen die objektiven Längen, die, weil von verschiedenen Gesichtspunkten ausgehend, unter sich verschieden sind. Hierher gehören zunächst die auch bei den klassischen Epikern sich findenden, mit eingeschachtelten Wiederholungen versehenen Erzählungen von sögenannte! epischer Breite. Die naive Freude des Erzählers teilt sich unwillkürlich auch dem Leser oder Zuhörer mit und verhindert, daß die Wiederholungen Langeweile in ihm hervorbringen. 1. Das Standardbeispiel dieser Gattung ist die Braut- Werbung Eliesers (i. B. Mos. 24). Für diese behagliche, durch Wiederholung ausgesponnene Erzählung bietet der Midrasch die Erklärung, daß Gott an der Erzählung des