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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 148

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 148 (sequence 20)
Language
German
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148 Kürzen und Längen in der Bibel. »Nun denn, so hör’ es die Erde, so hör es der Himmel da droben,. Zeuge auch sei mir die stygis,che ,Flut, die zum Hades bijiabstürzt.«: Was ich hier als Persönlichkeitsgefühl in den Eingängen der in der Tora befindlichen feierlichen Ansprachen und Gesänge bezeichnet und nachgewiesen habe, bedarf jedoch einer näheren Erläuterung, damit dieses Moment, .worauf man heute immer gefaßt sein muß, nicht von Seiten der »unvoreingenommenen« christlichen Bibel-Kritik zum Nachteil der Tora im Gegensatz zum Neuen Testamente ausgelegt werde. Ich bin deshalb vorsichtig genug gewesen, hervorzuheben, daß dieser Ausdruck des Persönlächkeitshewußtseins von den Verfassern der Evangelien der Tora abgelauscht und in dem »Ich aber sage euch« der Bergpredigt wiedergegeben ist. Es liegt nämlich in dieser Selbstbetonung nichts Vordringliches und keine Selbstbespiegelung, was ja mit der Charakteristik Moses’, als des demütigsten aller Menschen, gar nicht in Einklang zu bringen wäre. Dieses Persönlichkeitsbewußtsein bedeutet vielmehr das vollständige Aufgehen in der Gewißheit der gewonnenen Gotteserkentnis, mit einem Wort, die restlose Verschmelzung mit dem göttlichen Geiste, der aus dem Munde des von ihm Erfüllten so selbstverständlich und unzweifelhaft sich verlautbart, daß es der Versicherung der Einführungsformel »So spricht der Ewige« nicht bedarf. Daß diese Selbstbetonung in den feierlichen Reden Moses’ charakteristisch ist, erkennt man am besten daraus, daß die Tora sie auch bei dem heidnischen Widerspiel Moses’, bei Bileam, anwendet, aber auch gemäß der satirischen Behandlung dieses Afterpropheten in ihr Gegenteil, in äußerliche Wichtigtuerei, Aufgeblasenheit und Einbildung verzerrt. Man vergleiche nur, ob sich Aussprüche, wie die Bileams, bei denen die Selbstbespiegelung fingerdick aufgestrichen ist und denen man schon aus der Ferne ansieht, daß sie ironisch gemeint sind, bei Moses auch nur in äußerster Verdünnung finden! Bei Bileam verstärken sie

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