Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kürzen und Längen in der Bibel
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 18)
- Language
- German
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146 Kürzen und Laugen in der Bibel. hört auf Israel, euren Vater!« Das ist eine subjektive Länge, für einen bloßen An- oder Aufruf, zu wortreich (man vgl. dagegen Richter 9, 7), aber sie erklärt sich als die Selbstbetonung des redenden Vaters, der ganz aus der eigenen Erfahrung dem Drange der Persönlichkeit folgend sich an seine Söhne wendet. Deshalb hat Abraham Ibn Esra Recht, wenn er den Titel des Segens für diese Anspräche ablehnt, weil in diesem Falle (abgesehen von dem seinerseits angeführten Grunde) eine derartige das Personliehe ausbreitende Vorausschickung keinen Sinn hätte, wie sie auch bei dem wirklichen Segen Moses im Eingänge (V. B. Mos. 33, 1) fehlt. 2. Dagegen ist sie umso mehr am Orte und macht sich auch umso bemerklicher in dem Sange Moses’ am Schilfmeer (II. B. Mos. 15, 1 ff.). Er beginnt: »Singen will ich dem Ewigen, denn mit Hoheit hat er sich erhoben, Roß und Reiter hat er geschleudert ins Meer. Mein Sieg und mein Sang ist Jah, er war meine Rettung, der ist meine Macht und ich will seine Schöne preisen, der Gott meines Vaters und ich will ihn erheben«. Diese Einleitung ist ganz persönlich gehalten, sie macht den Eindruck, als ob der Sänger das ganze Rettungswerk nur von seinem persönlichen Standpunkte betrachte. Er lebt so in den Dingen, daß die Dinge erst in ihm und durch ihn Leben zu gewinnen scheinen. So erblicken wir den Vorgang in dem Spiegel des Persönlichkeitsbewußtseins des großen Führers. Erst nach dieser subjektiv gehaltenen Einleitung beginnt die objektiv durchgeführte Schilderung des göttlichen Rettungswerks. In dieselbe Form gekleidet ist das Lied der Deborah (Richter 5). Zuerst die persönlich gehaltene, aber kürzer gefaßte Einleitung (v. 3) »Höret Könige, horchet auf Fürsten, dem Ewigen will ich singen, saitenspielen dem Ewigen, dem Gotte Israels«; worauf dann die gegenständliche Schilderung einsetzt. Diese wird aber nicht, wie in dem