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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 145

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 145 (sequence 17)
Language
German
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Kürzen und Langen in der Bibei. 145 das Ganze wegbleiben könnte, in der man aber bei genügender Aufmerksamkeit das notwendige Piedestal erkennt, auf dem der Autor erst seinen Worten die rechte Schall- und Tragweite verleiht. Diese Betonung des Persönlichkeitsbewußtseins ist ausschließlich und durchgängig in der Tora zu finden, ein Moment, das für die Bestimmung ihres Alters und ihres einheitlichen Charakters gewiß von der größten Wichtigkeit, aber niemals bemerkt und daher auch nicht in Anschlag gebracht worden ist. Im späteren Prophetismus fehlt dipse Geltendmachung der eigenen Persönlichkeit gänzlich, der Prophet will gar nicht als solcher hervortreten, er istmur der Träger und Verkünder der göttlichen Botschaft, hinter welcher Aufgabe seine Person verschwindet. Dies ist schon in der üblichen Einführungsformel: »So spricht der Ewige« ausgedrückt. Um mich eines Vergleiches zij bedienen, so verschwindet bei Homer ebenso die Person des Dichters hinter der gleich anfangs angerufenen Muse oder Göttin. In den Psalmen wiederum ist zwar alles persönlich gefärbt, aber doch nur in der Art, wie sie das Gebet, der Gemütserguß, die aus dem eigenen Leben geschöpfte Betrachtung mit sich bringt, dagegen kann von eiiien! Persönlichkeitsbewußtsein und von der Betonung der eigenen Persönlichkeit keine Rede sein, da hier vielmehr gerade das Gegenteil, die Erkenntnis von der Nichtigkeit des Menschen, das Charakteristische ist. Ich will zu bemerken nicht unterlassen, daß die Verfasser der Evangelien die Selbstbetonung des Vortragenden als das archaistische Moment in der Tora gut erkannt und zum Beispiel in der Bergpredigt »Ich aber sage euch« geschickt angewendet haben. Die Beweisstücke für das Gesagte sind die folgenden: 1. Zuerst der sogenannte Segen Jakobs (I. B. Mos. 49, 1. ff). Die Ansprache beginnt: »Versammelt euch und ich will euch verkünden, was euch begegnen wird in späten Zeiten. Tretet zusammen und höret, Söhne Jakobs, und 10 Monatsschrift, 55. Jahrgang.

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