Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kürzen und Längen in der Bibel
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 16)
- Language
- German
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144 Kürzen und Längen in der Bibel. drasch, was an mehreren Beispielen gezeigt wurde, in den erzählenden und paränetischen Partien der Tora die feinen Beziehungen von kaum warnehmbaren Andeutungen und selbst Verschweigungen auf eine fast divinatorische Weise herauszufinden und bloßzulegen weiß, so verfährt der halachische Midrasch mit demselben wissenschaftlichen Geschick und Erfolg in dem gesetzlichen Teile. Um nur ein Beispiel aus diesem Gebiete anzuführen, so fehlen in dem Abschnitt über die »vier Hüter« (II. B. Mos. 22, 6 ff.) diejenigen ge״ setzlichen Bestimmungen, auf die es hauptsächlich ankommt, nämlich daß es sich in der die Verse 6—9 umfassenden Verordnung um u n en tg e 111 ic h e Obhut, dagegen in den Versen 9—12 um bezahlte handelt — eine Auslassung, die in keinem anderen Gesetzbuche der Welt Vorkommen dürfte. Dennoch ist diese talmudische Feststellung unzweifelhaft richtig, und man braucht sich dafür nicht einmal auf die Tradition zu berufen, sondern sie ergibt sich, wie RSBM und Nachm&nides nachweisen, aus dem Kon״ text von selbst. Man muß nur die Tora so zu lesen ver״ stehen, wie sie gelesen sein will, was die alten Lehrer des Midrasch und der־ Halacha, die In ihr atmeten und lebten, weg hatten und worin ihnen kein anderer gleichkommt Sie sind auch die besten Interpreten der hier behandelten Kürzen der Tora, deren Bedeutung aber erst recht nach dem Grundsätze : »contraria iuxta composita magis elucescunt« durch Vergleichung mit den Längen hervortreten wird. II. Es sind zweierlei Längen zu unterscheiden, subje־״ ktive und objektive. Die ersteren finden sich in den Ein״ gängen feierlicher Ansprachen oder Gesänge und dienen dem Redner oder Sänger dazu, seine Persönlichkeit nicht bloß einzuführen, sondern auch geltend zu machen, wo־■ durch natürlich eine Länge entsteht, in.welcher der Autor von sich selbst redet und die scheinbar ohne Schaden für