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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 142

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 142 (sequence 14)
Language
German
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142־ Kurzen und Längen in der Bibel. mehrere derartige Beispiele anführt, wird man die Überzeugung gewinnen, daß auch in der Erzählung von Josef ״die Verschweigung seiner Leiden und Bitten auf Absicht beruht, was ich in meinem mehrfach gedruckten Vortrage »Wie sollen wir die Bibel lesen?« begründet und ausge- *führt habe. Ich muß mich hier darauf beschränken, auf diesen Vortrag zu verweisen, um auf eine andere Art der ,Anwendung der Kürze aufmerksam zu machen. Diese gehört zu den besonderen Feinheiten, ich möchte sagen zu den Delikatessen des biblischen Vortrages, deren Bekanntschaft wir gleichfalls dem Midrasch verdanken. Durch den Gebrauch eines gewissen Wortes in einem bestimmten Satze, das in einem andern von ähnlicher Fassung weggelassen oder durch ein anderes ersetzt wird, also auf kürzestem Wege, werden kontrastierende Effekte von großer Wirkung erzielt. Nur stehen die betreffenden Sätze nicht immer nebeneinander, sondern sind durch mehr oder minder -große Zwischenräume getrennt, und es gehört eine Findigkeit und Beherrschung des Toratextes dazu, wie sie nur den Lehrern des Midrasch eigen war, um das Ge- ״trennte zu vergleichen und aus der Vergleichung folgende ״Regel abzuleiten.• Bei günstigen Zuständen nimmt die Tora auf Israel Bezug, bei ungünstigen abstrahiert sie von Israel und bedient sich einer allgemeinen Ausdrucksweise. Zur Bestätigung dieser Regel führt der Midrasch die folgenden Beispiele an: 1) Bei den Opfern heißt es: »Wenn einer von euch ein Opfer dem Ewigen darbringt usw.« (III. B. Mos. 1, 2). ״Dagegen: »Wenn einer.auf der Haut seines Fleisches eine Geschwulst usw. bekommt« (das. 13, 2). Die Fassung beider Sätze ist dieselbe, obwohl sie durch zwölf Kapitel von einander getrennt sind, aber der erstere, der von Opfern, also einer frommen Verrichtung 'handelt, nimmt auf Israel Bezug, während der letztere, der sich mit einem rKrankheitszustande beschäftigt, diese Beziehung vermeidet,

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