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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 141

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 141 (sequence 13)
Language
German
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Kürzen und Längen in der Bibel. 141 der Verschlagenheit Midjans, das von vornherein auf die ganze Verwünschungskampagne kein besonderes Vertrauen gesetzt haben mag und auf eine praktischere Art selbständig Israel eine sehr empfindliche Schlappe versetzte. Aber es entsteht die Frage, weshalb die Tora die Abreise der Ältesten von Midjan nicht ausdrücklich und unzweideutig mitteilt? Von Schonung oder stillschweigendem Tadel, wie bei den Ältesten Israels, kann doch hier keine Rede sein. Auf diese Frage erteilt der Talmud keine Antwort. Sie liegt aber in der Satyre, wodurch die ganze Erzählung gekennzeichnet wird und deren Zielscheibe hauptsächlich Bileam, aber auch Moab ist. Schon der Kriegsplan des letzteren, der auf einer bloßen Verwünschung aufgebaut ist, muß grotesk genannt werden. Das Sichbitteniassen Bileams macht die Situation Moabs noch lächerlicher. Wenn Midjan auch an der Einladung Bileams sich beteiligt, so läßt es sich doch auf das lange Antichambrieren bei ihm nicht ein, überläßt die Moabiter sich selbst, die dadurch ganz hilflos erscheinen, und zieht ab. Letzteres konnte die Tora aber nicht ausdrücklich heraus sagen, denn in diesem Falle wäre die Aufmerksamkeit des Lesers von Moab abgelenkt worden, was sie vermeiden will. Dashalb schweigt sie einfach von den Ältesten Midjans, was dem aufmerksamen Leser genug sagt und sein Interesse an dem weiteren Schicksal des nun auf sich allein angewiesenen Moab nur steigern kann, ln diese Gattung der Darstellung durch teilweise Verschweigung gehört auch die Erzählung der Tora von Josef und seinen Brüdern. Hier erfahren wir von dem Jammer Josefs über die ihm zugefügte Unbill und von seinen flehentlichen, unerhörten Bitten nur durch eine reumütige Bemerkung der Brüder (I. B. Mos. 42, 21), die Tora selbst übergeht die Klagen und Bitten josefs mit Stillschweigen. Dieser Umstand ist bereits Nachmanides aufgefallen. Aus dem Zusammenhänge der vorliegenden Darstellung, die

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