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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 140

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 140 (sequence 12)
Language
German
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140 Kürzen und Längen in der Bibel. bloß durch Verschweigen anzudeuten. Der Beredtsamkeft geschieht dennoch kein Abbruch. Diese Erklärung ist so menschlich wahr wie der Vorgang, den sie voraussetzt. Ein anderes Beispiel dieser beredten Verschweigung findet sich in der Erzählung von Bileam. Gleich im Anfang derselben bemerkt die Tora, daß der König von Moab die Ältesten Midjans einlud, sich mit ihm gegen Israel zu verbünden (IV. B. Mos. 22, 4 ff.). Daraufhin begeben sich »die Ältesten Moabs und die Ältesten Midjans« gemeinschaftlich zu Bileam und überbringen ihm die Einladung des Königs von Moab, zu ihm zu kommen und Israel zu verfluchen. Bileam will aber erst die Entscheidung Gottes abwarten und lädt die Gesandten ein, bei ihm zu übernachten. Darauf heißt es wörtlich: »Da blieben die Fürsten von Moab bei Bileam.« Auch hier drängt sich die Frage auf, der denn auch der Talmud Ausdruck verleiht, wo denn die Gesandten von Midjan geblieben seien? Sie werden weder hier noch in dem weiteren Verlaufe der Begebenheit erwähnt. Man muß also mit dem Talmud (Sanh. 105 a) annehmen, daß die Ältesten Midjans von der Einladung Bileams, bei ihm zu übernachten, keinen Gebrauch machten und abreisten. Deshalb erwähnt die Tora bloß von den Fürsten Moabs, daß sie bei Bileam über Nacht blieben, und es beweist eine bemerkenswerte Schärfe der Auffassung seitens des Talmud, daß er aus dem Berichte der Tora die Abreise der Fürsten von Midjan richtig erkannt hat. Denn daß die Tora durch die Nichterwähnung oder Verschweigung ihres Verbleibens ihre Abreise andeuten will, ist zweifellos, da es sie ja nur ein Wort gekostet hätte, das Gegenteil zu konstatieren. Ob der Talmud weiterhin die Abreise der Midjaniten richtig motiviert, wenn er bemerkt, sie hätten sich angesichts der Erklärung Bileams, vorerst die Entscheidung Gottes anzurufen, gesagt: »Gibt es einen Vater (in diesem Falle Gott), der seinen Sohn (nämlich Israel) haßt und verfluchen läßt?«, mag dahingestellt bleiben. Das Motiv entspricht jedenfalls

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