Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kürzen und Längen in der Bibel
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 11)
- Language
- German
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Kürzen und Längen in der Bibel. 1391 wonach der Sinn dieses Satzes ist, daß Gott durch die- Erinnerung an die Erzväter usw. in noch heftigeren Zorn über das solcher Ahnen unwürdige Volk geraten werde. Dies weitläufiger auszuführen, wäre nur eine Abschwächung gewesen, daher die bloße Einschaltung dieses Gedenkens.- ln dieses Gebiet des Gebrauchs der Kürze als wirksamen Darstellungsmittels gehört auch die Verschweigung. Sie ist natürlich die kürzeste, aber oft beredteste Ausdrucksweise. Von einer Person oder Sache nicht sprechen, wo man eine Mitteilung darüber erwartet, sagt unter Umständen mehr, als die ausführlichste Rede. Man muß aber ein aufmerksamer Leser sein, um eine solche Verschweigung zu erkennen. Das waren wie kein anderer jemals die Lehrer des Midrasch und des Talmud, welche Werke, wie ich anderweitig ausgeführt und auch bereits in dieser Abhandlung gezeigt habe, eine unerschöpfliche Fundgrube von Anleitungen und Winken darbieten, ohne welche die Bibel überhaupt nicht verstanden werden kann, wovon aber die christlichen Exegeten keine Notiz nehmen. So sagt Gott zu Moses: iGehe du und die Ältesten Israels za dem König von Mizraim und sprechet zu ihm usw.« (II. B. Mos. 3, 18.) Damit ergeht also an Moses die ausdrückliche Forderung, daß die Ältesten an seiner Seite vor Pharao erscheinen sollen. Es heißt auch weiter: »Und Moses ging und Aron und versammelten alle Ältesten der Kinder Israel« (das. 4, 29). Unmittelbar darauf aber sagt die Torar »Und danach kamen Moses und Aron und sprachen za Pharao« (das. 5, 1). Von der Anwesenheit der Ältesten schweigt die Tora. Drängt sich da nicht die Frage auf, die der Midrasch tatsächlich aufwirft: »Wo sind die Ältesten, geblieben?« Es hätte die Tora nur ein Wort gekostet, um ihre Gegenwart bei der Audienz zu konstatieren! Man muß also mit dem Midrasch annehmen, daß. sie sich, wie er sagt, einer nach dem anderen weggeschlichen hatten* welches Verschulden die Tora vornehm genug ist*