Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kürzen und Längen in der Bibel
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
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Kürzen u«d Längen in der Bibel. 137 Sätzen, abgesehen von der Bedeutung, die ihnen an und für sich im Hinblicke auf ihren bestimmten Zweck zukommt, einen bloß durch ihre Anordnung vermittelten guten Rat zu erblicken, dem der Talmud auf die Spur gekommen ist. Dies wird durch das Folgende bestätigt. Die Tora bezieht sich nämlich in den Flüchen auf dieselben Momente, jedoch in einer von der obigen ganz verschiedenen Ordnung und Ausführung. »Du wirst dir eine Frau verloben, aber ein anderer Mann wird sie heimführen, du wirst ein Haus bauen und nicht darin wohnen, einen Weinberg wirst du pflanzen und ihn nicht lösen« (V. B. Mos. 28, 30). Vergleicht man die obige ruhige, ebenmäßige und breite Behandlung der wichtigsten Lebensmomente mit den zuletzt angeführten, auf dieselben Akte sich beziehenden Fluchworten, so gewinnt man den Eindruck, als ob diese kurzatmigen, in einen einzigen Satz zusammengedrängten Verwünschungen vor lauter Ingrimm von dem Redner nur so herausgestoßen wären und alles kunterbunt durcheinander würfen. Die Nebeneinanderstellung rechtfertigt also die oben erwähnte Auffassung des Talmud, und Maimonides (Deot V, 11) hat ohne Zweifel Recht, wenn er, offenbar auf jener Auffassung fußend, bemerkt, daß der Fluch nicht bloß in den ausgesprechenen Wirkungen, sondern schon in der Verkehrtheit der Lebensführung sich äußere, was eben von der Tora auch äußerlich durch die Umstellung der Satzglieder angedeutet werde, denn, sagt er, es sei schon ein Fluch für den Mann, wenn er, die vernünftige Lebensordnung umkehrend, zuerst heirate, dann ein Haus baue und zuletzt einen Erwerbszweig suche, oder, wenn dies mißlingt, der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last falle. Maimonides gibt nämlich auffallenderweise, was natürlich von den Kommentatoren bereits bemerkt und zurechtzulegen versucht wird, an beiden Stellen eine andere Reihenfolge an, als in der Tora vorliagt, so zwar, daß er bei der Wiedergabe der an das Heer zu richtenden Ansprache des Weinbergs an erster, und bei dem