Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 136

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 136 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829835-2829838-2890512--38554-2890547
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

136 Kürzen und Längen in der Bibel. seiner Rückwirkung auf die Eltern, zum Ausdruck kommt, so daß jede höhere Empfindung gegen den Hunger zurücktritt. Nachmanides erblickt in der verschiedenen Anordnung der Reihenfolge eine andere Absicht, die mir aber dem Gedankengang weniger zu entsprechen scheint Vielmehr zeigt die weitere Ausführung, in welcher der Vater und sogar die Mutter aus Hunger an ihren Kindern sich vergreifen, daß der Zustand der Verwünschung mit der Abstumpfung jedes edlem Gefühls durch den Hunger beginnt und in dem Verzehren der eigenen Kinder seine höchste Steigerung erfährt. Noch einmal in demselben Kapitel bedient sich die Tora dieses Verfahrens der Umstellung von Sätzen zur Hervorbringung starker rhetorischer und paränetischer Wirkung auf kürzestem Wege. Um diesen Punkt zu erläutern, muß vorausgeschickt werden, daß nach V. B. Mos. 20, 5 ff. im Kriegsfälle die Oberste vor der S chlacht folgende Ansprache an das Heer richten mußten: »Wer ist, der ein neues Haus gebaut, und hat es nicht eingeweiht, er gehe und kehre zurück in sein Haus, daß er nicht sterbe im Kriege und ein andrer Mann es einweihe. Und wer ist, der einen Weinberg angepflanzt und hat ihn nicht gelöst, er gehe und kehre zurück in sein Haus, daß er nicht sterbe im Kriege und ein andrer Mann ihn löse. Und wer ist, der sich eine Frau verlobt und hat sie nicht heimgeführt, er gehe und kehre zurück in sein Haus, daß er nicht sterbe im Kriege und ein anderer Mann sie heimführe.« In der Reihenfolge, deren die Tora bei Aufzählung der obigen Beurlaubungsgründe sich, wie vorauszusetzen ist, mit Absicht bedient, erblickt der Talmud (Sota 44a) aus eben diesem Grunde eine zu beherzigende Lebensregel, die dem Manne empfiehlt, bei Einrichtung seines Lebens dieselbe Reihenfolge einzuhalten, nämlich zuerst einen festen Wohnsitz zu gründen, sodann sich einen Erwerbszweig zu schaffen und erst nachher ein Weib zu nehmen. Also auch hier hätten wir in den angeführten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.