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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 135

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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Kürzen und Längen in der Bibel. 135 gebürt hinzu. »Und Esau aß und trank und stand auf und ging weg und verachtete (so) die Erstgeburt« (I. B. Mos. 25, 34). Eine Sturzwelle von durch die Polysyndese noch beschleunigten Schilderungsworten ergießt sich damit über das Haupt des im Hebräischen erst gegen Ende des Satzes genannten Esau, was einen wirksameren Eindruck macht, als eine lange Entrüstungsäußerung hervorzubringen vermocht hätte. Wie die Tora in den obigen Beispielen auf kurzem Wege durch die bloße Wortstellung die beabsichtigte Wirkung ausübt, so bedient sie sich zu demselben Zwecke der Umstellung von Sätzen und Satzteilen. Es wird wohl keinem zufällig erscheinen, wenn Moses den zwei Stämmen auf ihre Bitte: »Schafhürden möchten wir hier für unser Vieh bauen und Städte für unsre Kinder« (IV. B. Mos. 32, 16), die beiden Satzteile umstellend antwortet : »Baut euch Städte für eure Kinder und Hürden für eure Schafe« (das. das. 24). Moses gibt vielmehr auf diese Weise, wie Raschi (zu v. 16) ausführt, den Bittstellern zu verstehen, daß die Rücksicht auf die Kinder der auf das Vieh vorangeht. Dieser Wink wurde denn auch von ihnen, wie ihre Erwiderung (v. 26) beweist, verstanden, ebenso wie ein anderer, noch bedeutsamerer, von dem weiterhin die Rede sein wird. ln gleicher Weise wird in den Segensverheißungen des fünften Buches der Tora der Satz vorangestellt: »Gesegnet sei deine Leibesfrucht« (V. B. Mos. 28, 4). Erst nachher folgt: »Gesegnet dein Korb und dein Trog« (das. das. 5). Diese Ordnung rechtfertigt sich durch sich selbst. Der an den Kindern sich bewährende Segen Gottes erscheint vor allem begehrenswert. Aber bei den Flüchen ist die Ordnung verkehrt. »Verflucht dein Korb und dein Trog, verflucht deine Leibesfrucht« (das. das. 17). Damit ist ausgedrückt, daß der Fluch schon in der Abstumpfung des Gefühles für die Kinder, abgesehen von deren Unglück an sich und:

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