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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 131

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 2
Article
Kürzen und Längen in der Bibel
Date
1911-01-01
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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Kürzen und Längen in der Bibel. 131 die auf der gründlichsten Kenntnis der biblischen Diktion beruhende Behauptung ausgesprochen : »Die Worte der Tora sind stellenweise dürftig und stellenweise reichlich« (Jer. Rosch ha-Sch. III, 5), was soviel sagen will wie: die Tora weist bald Kürzen, bald Längen auf; natürlich beabsichtigte, einen künstlerischen Zweck verfolgende. Eine zusammenfassende Prüfung wird diese Voraussetzung bestätigen und einen Beitrag zur Würdigung der großen Kunst des biblischen Stils, insbesondere der biblischen Erzählungskunst, ergeben. Aber das ist keineswegs das einzige Ergebnis. Ist man erst einmal auf das Geheimnis der Anwendung von Kürzen und Längen gekommen, so wird man erkennen, daß ihre Bedeutung weit über das ästhetische Gebiet hinausgeht, daß sie vielmehr auch in exegetischer und selbst bibelkritischer Hinsicht aufschlußreicher sind, als viele andere Hilfsmittel, die das gewöhnliehe kritische Rüstzeug ausmachen. Dies soll in der nachstehenden Untersuchung, in der zuerst die Kürzen, sodann die Längen in einer, wenn auch auf Vollständigkeit keinen Anspruch machenden Sammlung vereinigt sind, nachgewiesen werden. 1. Von prägnantester Kürze ist gleich der Zuruf Gottes an Adam: »Wo bist du?« (I. B. M. 3, 9), womit die lange Verlegenheitsantwort Adams: »Deine Stimme hörte ich im Garten und fürchtete mich, weil ich nackt bin, und versteckte mich« (das. das. 10) in charakteristischem Kontrast steht. — Die Antwort, die Rebekka auf die Frage der Ihrigen: »Willst du mit diesem Manne gehn?« (I. B. M. 24, 58) erteilt: »Ich will gehn« (wofür im Hebräischen nur ein Wort steht) ist ebenfalls durch ihre die Entschlossenheit ausdrückende Kürze bezeichnend. — Wie die Tora mit einem Zuge, in wenigen Worten, einen ganzen Situationsbericht liefert, ersieht man aus den sprichwörtlich gewordenen Worten Jakobs, die er an Laban richtete: »Ich will 9.

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