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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 757

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 757 (sequence 3)
Language
German
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Besprechungen. 757 unvergängliche Worte gekleidet haben« (S. 12). Ein »Muster volkstümlicher Gedankenlyrik« ist das Lied »Der Unzufriedene«. Im Garten der Natur wandert eia Mann umher, der tränenden Auges darüber Klage führt, warum nicht alle Blumen vom Hüter des Gartens In gleicher Weise behandelt werden: Jene wachsen immer größer, Die hoben schein in sich bald kein Leben, Weil er hüt ub jene besser, Auf die will er nlscht Achtling geben. (S. 15). Der Verfasser läßt oft den Dichter selbst sprechen, indem er aus den betreffenden Gedichten uns jedesmal die gefühlvollsten Strophen und Verse vorführt. Am bedeutendsten sei E. als Satiriker gewesen. Dies zeigt uns der Verfasser im 3. Kap. (S. 17—31). Die Hauptfigur seiner Satire ist der Chassid, »der ihm schlechthin die Masse der osteuropäischen Juden vorstellt«. Wir sehen ihn in gehobener Sabbatstimmung seine Klaustriumphe vor seiner Frau schildern. Er erzählt ihr von seinem »Leinen« in der Thora, seinem »Roscfa-chodesch-Benschea«, wie »es hot geklüngen in der Klaas«. In dem Liede »Der Chussid küramt vün Wien« führt uns E. den Chassid vor, wie er sich über den »Datsch«, den europäischer Gesittung sich hingebenden Juden, lustig macht. Der Dichter verschweigt uns aber auch nicht die guten Eigenschaften des Chassid, seine innige, auf Oottvertrauen fußende Heiterkeit und seine Genügsamkeit. Seine bedeutendste Satire ist das Gedicht »Gotts Bankrott«. Wir sehen hier Gott auf seinem Throne sitzen, um ihn eine große Schar von Frommen, die ihm ihre durch die Tradition verbrieften Forderungen vorlegen wollen. Ein jeder von ihnen will mindestens 310 Welten als Lohn haben. Gott betrachtet sie alle; es waren ihrer etwa fünfzigtausend, Ün er zieht auf mit der Pleize1) Ün halt kaum ans dus Lachen Ün gefind gur nischt kein Eize* *), Wus er soll mit sei machen. Wie kenn ich, sugt er, euch vergelten. Chotsch«) ich bin der groißer Gott, Wie soll ich nehmen asoi viel Welten? Ün is aratis bankrott, (S. 30). Wurde bisher die sanfte, lächelnde Satire de* Dichters behan- *) Rücken. *) Rat a) Obgleich.

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