Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 753 (sequence 5)
- Language
- German
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Besprechungen. 753 dem Urenkel R. Nachman zu beleuchten, als gerade die Behandlung der Aristotelik, deren Kern die Stabilitätstheorie bildete, als strikten Gegensatz zu der Eingangspforte der Thora: Im Anfänge schuf Gott Himmel und Erde. Aristoteles lehrte, die Welt sei niemals erschaffen worden, sondern sie bestünde unverändert seit unendlichen Zeiten. Mathematische Beweise dafür gäbe es zwar ebensowenig wie für die Schöpfung derselben. Da aber eine Schöpfung eine Willensätiderung voraussetze, so sei diese anthropomorplie Vorstellung als unphilo־ sophisch abzuweisen, solange kein mathematischer Beweis für sie vorliege. Als der BaaPSchem im Jahre 1743 seine Reise nach Jerusalem antrat, um den Marokkaner Rabbiner Chajjim Ibn Atar zu besuchen, der nach Jerusalem gekommen war, wo er nach einem Jahre starb, und, in Konstantinopel angekornmen, sich gezwungen sah, nach Polen zarückzukehren, wobei er Schiffbruch litt und in Gefangenschaft geriet, führte er zum Andenken an seine Rettung den Gebrauch ein, bei Sabbateintritt das Minchagebet mit dem Psalm 107 zu eröffnen, wofür er eigene Kawwanot (kabbalistische Erklärungen) schrieb, die auch das Lechah neraunenah umfassen. In diesem 1788 gedruckten Heftchen schreibt er zum Verse 4: אשר בידו מחקרי ארץ, אל תקרי מחקרי אלא מחוזרי, d״ h. in seiner Hand sind die Forscher der Erde. Unter Hand verstehen wir die unterste Sphäre welche jetzt die Leitung hat. Vor einem Jahrtausend war die geistige Atmosphäre so getrübt, daß die Hypothese der Stabilitätstheorie die Geister gefangen halten konnte. Heute sind die Nebel gewichen, so daß die Forscher der Erde diese Theorie vernichten. Mit solchen Augen sah der Mann die Geisteswelt vor sich, er, der in der Einsamkeit der Beskiden unter Bären und Wölfen als vollendeter Am ha-Arez galt. Kant und Laplace waren damals noch nicht geboren. Als sein Urenkel auf den Plan trat, hatten sie die Stabiütätstheorie bereits zu Grabe getragen, ohne daß er eine Ahnung davon hatte. Dieser von allen Zweifeln und Seelenqualen gepeinigte Geist, hatte, was Horodezky entgangen ist, wie es in seiner Biographie מורנו הרב ר׳ נחם] ==] חיי מהרץ] erzählt ist, zur Abwehr dieser Theorie den interessanten und geistreichen Nachweis geführt, daß dieselbe arithmetisch unmöglich sei. Denn da die Menschheit sich unabweislich in einem gewissen Zeiträume verdoppelt, sagen wir selbst erst in 1000 Jahren, so müßte in einer unendlichen Zeit auch eine unendliche Verdoppelung stattgefunden haben, so daß e§ 48 Monatsschrift, 54. Jahrgang.