Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 752 (sequence 4)
- Language
- German
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752 Besprechungen. sprechender Oebete bildeten natürlich das Öl für das große Feuer des Aufruhrs gegen R. Nachman.« Ich glaube, daß selbst der enragierfeste Reformer dies so natürlich finden würde, daß er den Gegnern nicht Intrige und Streitsucht zum Vorwurf machen dürfte. 9. S. 43. Speziell am More (Nebuchim) wollte er sein Mütchen kühlen, denn dieses Buch war ihm besonders verhaßt, als auf den Lehren des Heiden Aristoteles basierend. In seinen bisher noch nicht veröffentlichten Schriften (ein Brazlawer Chassid soll nach Horodezky dies in seinem Namen wiedergegeben haben) sagt R. N.: Viele Leute halten so manche Forscher, wie z. B. den Maimonides, für große Männer, sie werden aber nachher zur Überzeugung kommen, daß er ein Epikuros war! Ich glaube nicht, daß der Mann das gesagt hat, außer im Zustände vollster Unzurechnungsfähigkeit. Wenn aber nur ein Teil davon wahr wäre, so hätte er die schärfste Züchtigung für diese knabenhafte Ungezogenheit verdient. Er schlüge damit den größten Autoritäten, wie Nachmanides, dem Schirmherrn der Kabbala, R. Isaak Lurja, R. Josef Karo und dem Baal-Schem und seiner Schule, geradezu ins Gesicht. Die nach Nachmanides auftretenden ersten Kabbalisten, denen R. Isaak Lurja vor wirft, daß sie keine Ahnung von dem wirklichen Geiste dieser Lehre gehabt hätten, hatten ähnliche Vorstöße im Kampfe gegen die Scholastik gewagt, aber schon R.. Josef Karo in seinen Inspirationen (Maggid mescharim) hatte diese zurückgewiesen und die Größe und Heiligkeit des Mannes der Klarheit (Mose ^beriri), wie er Maimonides nennt, nachgewiesen. R. Isaak Lurja ging noch weiter. Maimonides und Nachmanides, sagt er in seiner kabbalistischen Terminologie, waren beide Teile der Seele Mosis in ihrem Kleinheitsstande (Se'ir anpin), Maimonides von der Seite, die der düstern juridischen Strenge zuneigt, daher für die Musik der Kabbala kein Organ hat, Nachmanides von einer sanfteren Seite, so daß er, wenn auch erst in hohem Alter, Empfänglichkeit für eine tiefe, aber unzulängliche Mystik bekam. Der Baal-Schem und seine Schule verglichen Maimonides mit dem Gipfel des Libanon, in dessen ewiger Schneeregion weder der berauschende Wein der Niederung noch die wohlriechende Ceder der Höhe gedeihen kann, dafür aber die reinste, ungetrübteste Luft herrscht, in der, um modern zu reden, keine Bazillen fortkommen können. Auf ein derartig hohes Geistesniveau hatte der Baal-Schem seine Schüler zu heben gewußt und sie gelehrt, den aristotelischen Quarz, in welchen der Diamant eingehüllt war, von dem Kerne abzuschälen. Es gibt kein drastischeres Beispiel,, den Unterschied zwischen dem Urgroßvater R. Israel Baal-Schem und