Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 719 (sequence 7)
- Language
- German
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Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien. 719 Die Tiefe selbst ist mit einem Steine verschlossen. Wellhausen hat (Reste des arab. Heidentums S. 103) in Verbindung mit der zu Hierapolis gebräuchlichen Sitte des Wasserschöpfens und Ausgießens in den Erdschlund darauf hingewiesen, daß »das Wasser der Sündflut durch eine Öffnung im Innern des Tempels abgezogen war, die darauf mit dem bekannten אכן השתיא geschlossenwurde«. Diese Gedankenverbindung ist unbedingt richtig. Der אבן השתיא (oder אבן השתיה oder אבן שמיה) gehört hierher; so wenig er auch unmittelbar mit der Wasser- 1 i b a t i 0 n selbst etwas zu tun zu haben scheint. Bevor wir jedoch die Überlieferungen über den אבן שתיח prüfen, ist es nötig, eine allgemeine, grundlegende Bemerkung zu machen, die sich sc!v/ohl auf das ganze Thema unserer Untersuchung, als auch auf den Gesamtkomplex der bereits behandelten und noch zu behandelnden Quellen der Agadah bezieht und für die Gedankenrichtung unserer Quelienvergleiche von weittragender, ausschlaggebender Bedeutung ist. Dieterich in seinem merkwürdigen, vielangefeindeten und doch auf tiefer Erkenntnis beruhenden Buche (Mutte r Erde) spricht den Gedanken aus: »Einer der ältesten religiosen Gedanken der Völker, wir dürfen wohl sagen, der Menschheit, ist der Glaube an Mutter Erde« (S. 91). »Wasser auf die Erde gießen, ist identisch mit Regnen; tut man es, so zwingt man den Regen herbei« (S. 99). »Die empfangende Mutter ist immer dieselbe, die Erde, der zeugende Vater ist immerhin verhältnismäßig später der Himmel (S. 92), »Der Schoß der einen Mutter Erde ist überall da, wo ein Pflug die Furche reißt, wo ein Menschenkind geboren und wo ein Gestorbener eingebettet wird« (S. 100). Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet.