Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 718 (sequence 6)
- Language
- German
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718 Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien. stehen daraus Lichtströme, bei denen das Dunkel nicht gesehen wird. Der eine stößt auf den anderen, und sie verteilen sich in fünfundsiebzig Kanäle des Urgrundes, in welche das Wasser fließt. Jeder Kanal quillt mit lautem Geräusch in die Höhe und die Urgründe erbeben <פל צ15רא וצנ1ר$ פליק בקליה ואודעזען וזהומין>. Und wenn diese Stimme gehört wird, ruft der eine Urgrund dem andern zu und spricht: Teile dich, ich will in dich dringen. Das ist, was geschrieben steht: פהוס אל תהום קורא לקול צנוריך »Ein Tehom ruft dem anderen Tehom zu beim Rauschen der Kanäle« (Ps. 42, 8). Wieder ist es der bekannte Satz, der uns in diesem Sagenkreise allenthalben begegnet und sozusagen seine Grundlage bildet. Da wir aber die klassische Bibelstelle, die auf die Wasserlibation gedeutet wird, kennen, sind wir ebenso berechtigt als genötigt, den ganzen Mythenkreis damit in Verbindung zu bringen. Diese uns in der Soharstelle begegnenden Wasser steine sind uns nicht fremd. Sie begegnen uns auch im Talmud (Chagiga 12a): »Es wird gelehrt: »Tohu« ist der grüne Streifen, der die ganze Welt umringt und von welchem die Finsternis ausgeht, wie es heißt: Er macht Finsternis zu seiner Hülle ringsum (Ps. 18, 11), »Bohu« sind wassertriefende Steine, die in den Urgrund versenkt sind (אלו אבנים ׳(המשולמות המשוקעות בתהום שמהן יוצאין מים aus welchen Wasser hervorquillt, wie es heißt: »Und er wird darüber spannen eine Schnur der Öde (Tohu) und Steine der Leere (Bohu) (Jes. 34, 11; Targ. J. Hiob 28, 3). Dem liegt klar die Anschauung zugrunde, daß in der Urtiefe Steine sind, aus denen Wasser entfließt. Es sind offenbar Steine, die der Urzeit, der Sintflutperiode entstammend, gedacht sind. Wir wollen uns nur einen Augenblick den (oben S. 547) erwähnten Stein ins Gedächtnis rufen, denDavid in derTiefe gefu n den hat und nicht von der Stelle bewegen konnte.