Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 717 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829827-2829834-2890361--38342-2890456- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Vfasseropffir und die damit verbundenen Zeremonien. 717 nur zum Teile beipflichten. Es ist spätere abgeschwächte Abstraktion, weiche den kraftvollen Mythos spiritualisiert und in die grobsinnlicheh Begriffe über Entstehung der :Materie und deren Verhältnis zur schöpferischen Urkraft der Urzeit metaphysischen Tiefsinn und grübelnde Philo־ sophie hineingeheimnist hat. Das gilt ganz besonders von Neumarks Ausführungen über die oberen und unteren Gewässer und der Auffassung über die behandelten Stellen im Talmud und Midrasch, welche sich mit diesem Thema befassen. Man muß die später hineingetragenen Spekulationen — die gewiß für den Philosophieforscher Berechtigung und Bedeutung haben — von dem Kerne lösen; sie sind nur die Hülle für den uralten kraftvollsinnlichen, lebendigen Mythos, der sich unmittelbar an die Natur anschließt und wortwörtlich an den Mutterbrüsten der Erde saugt und zum Himmel dringt. Nicht unbeachtet bleibe bei dieser Gelegenheit die auch sonst sehr merkwürdige, offenbar auf uralte Sagen zurückgehende Überlieferung des Sohar (Genes., ed. Wilna, S. 102): »Fünfundvierzig Arten von Licht sind verteilt in der Welt; sieben davon verteilen sich auf die sieben Urgründe (לשבעה תהמין), Jede steht mit ihrem Urgründe in Verbindung und Steine wälzen sich in den Urgründen und das Licht dringt in diese Steine ein und durchlöchert sie und Wasser entquillt ihnen. Und jede einzelne Lichtart senkt sich auf den Urgrund und bedeckt diesen zu beiden Seiten. Wasser quillt aus den Löchern und das Licht dringt ein und umstrahlt die vier Seiten des Urgrundes. Eine Lichtart wälzt sich in die andere, sie treffen zusammen und sie teilen die Gewässer; und diese sieben Lichtarten sind verbunden mit den sieben Abgründen und sie versenken sich in das Dunkel des Abgrundes. Das Dunkel vermengt sich mit ihnen und das Wasser steigt auf und nieder und wälzt sich aus diesen Lichtströmen. Und Licht und Dunkel und Wasser vermengen sich in eins und es ent-