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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 716

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien
Date
1910-01-01
Page
Seite 716 (sequence 4)
Language
German
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716 Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien. Stelle (Chag. 15a), an welcher im Zusammenhänge mit der der Gnosis angehörenden Überlieferung vom Eintritt der vier Gelehrten in den Garten (פרדס) der Erkenntnis, erzählt wird, daß einst Josua ben Chananja auf dem Tempelberge ben Soma angetroffen habe, daß dieser nicht vor ihm aufstand,. und er zu ihm sagte: Woher und wohin, ben Soma? ([er war in Gedankenversunken). Da sagte er: ich blickte zwisehen die oberen und unteren Gewässer und sah, daß zwischen ihnen nur drei Fingerbreiten waren, denn es heißt: »Der Geist Gottes schwebte auf den Wassern« (Genesis 1, 2), »wie die Taube, die auf den Jungen brütet- und sie nicht berührt«. Da sagte R. Josua zu seinen Schülern: »Noch immer ist ben Soma außer sich«. Ganz anders, und, wie mir scheint, mit viel zu: weit gehendem Rationalismus, faßt Neumark in seiner »Geschichte der jüdischen Philosophie des Mittelalters« (S. 87 ff.) diese talmudischen Überlieferungen auf. Er bezieht sie, rein philosophisch, auf kosmologische und. kosmogonische Merkaba und Bereschith-Spekulationen und. Ideenlehren, wenn er auch erkennt und zugibt, daß die alten Tiamatsagen hineinspielen. Der Streit über die Urmaterie mag später an die Überlieferungen geknüpft und damit verbunden sein. Ursprünglich liegen diesen Dingen wirkliche mythische Vorstellungen zugrunde; gegenständliche und in der damaligen Welt allgemein verbreitete Vorsteilungen, die im letzten Ende alle den Ur- und Grundgedanken zeigen, daß die Zeugung, die Fruchtbarkeit, die Befruchtung, Geburt; daß das Verhältnis von Himmel und Erde zu einander, die unlösbare Abhängigkeit des irdischen Lebens vom himmlischen, in bezug auf Werden, Entstehen und Vergehen der lebendigen Wesen das Höchste, Wichtigste und Größte sind, was die Welt erfüllt und erhält. Deshalb kann ich der Interpretation Neumarks, die die angezogene שיש ,WK-Stelle und besonders auch die Auseinandersetzung zwischen R. Josua und ben Soma erfährt,.

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