Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 710

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1910-01-01
Page
Seite 710 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829827-2829834-2890360--38334-2890449
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

710 Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus Wunder, daß sie ihm totfeind wurden, da er ihnen im Angesicht der von ihnen getäuschten und ausgebeuteten Volksmassen die heuchlerische Maske vom Gesicht riß. Das waren auch die einzigen Hasser Jesu, die in der Tat nach Anklägernaterial spähen mochten, um ihn aus dem Weg zu haben. Und da dürfte Lucas recht behalten, wenn er von diesen am Schlüsse der Wiedergabe der in Rede stehenden Wehrufe bemerkt: »Sie fingen, da er solches zu ihnen sagte, an, hart auf ihn zu dringen und ihm mit mancherlei Fragen zuzusetzen; und lauerten auf ihn und suchten, ob sie etwas erjagen könnten aus seinem Munde, daß sie eine Sache zu ihm hätten«1). »Daß sie eine Sache zu ihm hätten!« Das ist das Motiv, unter welchem die vier Evangelien übereinstimmend den Opfertod Jesu zu erklären suchen. Da aber eine doppelte Überlieferung vorlag: die eine, welche die Kreuzigung Jesu aus politischen, die andere, die sie aus religiösen Gründen erfolgt sein ließ, die Schlußredaktion aber beide Überlieferungen berücksichtigen mußte; so konnte die Dar- Stellung, die das religiöse Moment in den Vordergrund, ja als einziges Motiv der Verurteilung hinzustellen sich bemühte, nicht anders als verschwommen, ja sogar zweideutig ausfallen. Wäre hier tatsächlich das religiöse Motiv ausschlaggebend gewesen, es wäre garaicht zu einer Anklage beim Landpfieger gekommen. Er wäre in einem Volksauflaufe gesteinigt worden, wie nach ihm der ges etz esfrei e Stephanus. Allein das Gegenteil war der Fall. Als die durch seine Gleichnisreden sich getroffen fühlenden »Hohenpriester und Pharisäer darnach trachteten, wie sie ihn griffen, da fürchteten sie sich vor dem Volke; denn es hielt ihn für einen Propheten«2). Die jüdischen Massen beklagen die Hinrichtung des ‘) Lc. 11, 53—54, ») Mt. 21, 45—46.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.