Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 711 (sequence 15)
- Language
- German
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und dem entstehenden Christentum? 711 Täufers1); selbst die Gesetzesstrengen unter ihnen die Steinigung des Jacobus, des Bruders Jesu* *); das Schuloberhaupt R, Gamliel nimmt die Apostel Jesu in Schutz: Jesus selber aber, der das Gesetz so hoch hielt und es für unvergänglich erklärte, er sollte den Haß des Volkes und seiner Gesetzesiehrer in solchem Maße auf sich geladen haben, daß sie ihn den römischen Henkern auslieferten und mit wildem Ungestüm seine Kreuzigung verlangten? Aber — so hält man mir entgegen — Jesus nannte sich doch »Christus, den Sohn Gottes«, und wurde wegen Gotteslästerung des Todes schuldig erklärt. Allein wann und wo hätte er sich so genannt? Wie, er, der seinen Jüngern es auf das strengste untersagte ihre Vermutung, daß er der erwartete Messias sei, laut werden zu lassen, er sollte auf die Frage des Hohenpriesters, ob er Christus der Sohn Gottes sei, geantwortet haben: »Du sagst es«; oder gar: »ich bins«? Sehen wir uns die Sache ein wenig näher an. Es war zu Cäsarea Philippi, da fragte Jesus seine Jünger: »Wer, sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: »Etliche sagen, du seist Johannes der Täufer; die andern du seist Elia; etliche, du seist Jeremia oder der Propheten einer«. Darauf Jesus: »Wer sagt denn ihr, daß ich sei?« Da antwortete Simon Petrus und sprach: »Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn«. Da verbot er seinen Jüngern, daß sie niemand sagen sollen, daß er Jesus der Christ wäre«3). Warum aber verbietet Jesus seinen Jüngern so nach- ») Jos. Ant. XVIII, 5, 2. Cf. Mt. 21, 25-26: Als Jesus an die »Hohenpriester und die Ältesten isi Volke« die Frage richtete, ob die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen war; »da gedachten sie bei sich seihst: . . : sagen wir, sie sei von Menschen gewesen, so müssen wir uns vor dem Volke fürchten, denn sie halten alle Johannes für einen Propheten«. Cf. Mt. 14, 5. *) Jos. Ant. XX, 9, 1. a) Mt. 16, 13-20; Me. 8, 27—30; Lc. 9, 18-22.