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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 709

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1910-01-01
Page
Seite 709 (sequence 13)
Language
German
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und dem entstehendem Christentum? 709 die Vertreter des jüdischen Volkes, ja als dieses selbst hingestellt und in die tiefste Hölle verdammt Und bei alledem vermögen die kanonischen Evangelien keinen haltbaren Grund dafür anzugeben, warum das Judentum Jesum so ingrimmig gehaßt und noch weniger glaubhaft zu machen, daß dieses seinen Untergang beschlossen und herbeigeführt habe. Besäßen wir noch das Urevangelium, wir würden sicherlich eine andere Darstellung des Sachverhaltes bekommen, als sie die kanonischen Evangelien bieten; sowie ja auch die uns erhaltenen geschi chtlichen und authentischen Berichte über das Verhalten des Judentums zum entstehenden Christentum ein ganz anderes Bild als jenes der kanonischen Evangelien bieten. Übrigens herrscht nicht einmal inbezug auf die jüdi~ sehen Gegner Jesu volle Übereinstimmung bei den Evangellsten. Bei Matthäus sind die von Jesu so schwer Gezüchtigten: die »Schriftgelehrten und Pharisäer« Bei Marcus: »die Schriftgelehrten, die in langen Kleidern umhergehen«; von Pharisäern ist hier nicht die Rede. Bei Lucas sind es an einer Stelle ebenso wie bei Marcus bloß: »die Schriftgelehrten, die da wollen in langen Kleidern umhergehen«; während er an einer anderen Stelle Jesum die Wehrufe zuerst: gegen die Pharisäer und dann gegen die Schriftgelehrten richten läßt* 2). Man sieht daraus wenigstens soviel, daß hier das Angriffsobjekt nicht mit sicherer Hand gezeichnet ist. Das kommt wohl daher, weil die letzten Redaktoren der Evangelien das gesamte Judentum um jeden Preis schuldig erscheinen lassen wollten und von diesem Gesichtspunkte aus den überlieferten Stoff bearbeiteten. Galten aber die Wehrufe Jesu den heuchlerischen Pharisäern, die an allen Straßenecken anzutreffen waren, den »Gefärbten«, wie sie der Talmud nennt; dann war es kein >) Mc. 12, 38—40. 2) Lc. 20, 45—47; 11, 39, 52.

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