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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 708

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1910-01-01
Page
Seite 708 (sequence 12)
Language
German
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708 Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus erhielten, der die Dürftigkeit ihrer Erkenntnis anzeigt. So nämlich heißt ein Dürftiger auf hebräisch. Also weil sie, wie die Nazaräer überhaupt, die paulinische Gesetzesfreiheit und die johanneische Logosiehre verwarfen, wurden die Ebioniten für eine jüdische Sekte erklärt, wurde ihr ehrlicher Name, den sie als die ursprüngliche, eben wegen ihrer gläubigen Armut zum Heile berufene Gemeinde Jesu führten, spottweise umdeutet Sie sollen den Namen bald von dem »Bettelmann Ebion« bald von der Armseligkeit ihrer christlichen Erkenntnis oder von beiden zugleich erhalten haben. Es mußte eben der Berufung der Ebioniten auf die einschlägigen, unzweideutig lautenden Aussprüche Jesu ein Riegel vorgeschoben werden. Die Großkirche, die für die evangelische Seligsprechung der Armut kein Verständnis mehr, die die kommunistischen Institutionen der nazaräischen Gemeinde Jesu längst überwunden hatte, durfte es nun bei der Schlußredaktion der Evangelien, ohne einen andern Widerspruch, als den seitens der verketzerten Nazaräer und Ebioniten befürchten zu müssen, wagen, den Makarismen Jesu in einem der bedeutsamsten Punkte eine ihnen ganz fremde, wohl aber dem Geiste des Paulinismus entsprechende Deutung zu geben und die »gläubigen Armen«, an die sich Jesus mit seinem Evangelium wandte, in die »Geistig armen« umzudeuten. Es ist dieselbe nachbessernde Hand, die aus dem »Nazarener Jesus« den »Nazarethener Jesus« machte. Und so wurden die Ebioniten nicht nur aus dem Himmelreich, sondern auch aus der Kirche gewiesen. Das Judentum wurde also in jeder Form und in jeder Gestalt von der "Großkirche bekämpft: gleichviel ob es christgläubig auftrat, oder sich hartnäckig gegen den Glauben, daß Jesus der Christ, wehrte. Das nazaräische Christentum, das sich auf die unmittelbaren Überlieferungen Jesu berief, würde in Bausch und Bogen als eine jüdische Härasie verurteilt; die »heuchlerischen Pharisäer« wurden als

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