Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 707 (sequence 11)
- Language
- German
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und dem entstehenden Christentum? 707 sen, kein Eigentum zu besitzen, sondern »alles gemein zu haben«1 *); weshalb sie freiwillig die Armut gewählt. Diese Herleitung aber wurde ihnen, als sie in die Reihe der Ketzer geworfen wurden, auch bestritten. Nicht von »ebion«, arm, stamme ihr Name, sondern von dem Stifter ihrer Sekte, der Ebion geheißen habe und der infolge seiner armseligen Vorsteilung von Christus ein Bettelmann gewesen. So Epiphanes*). Ähnliches berichtet Eusebius über sie: »Die Alten«, sagt er, »nannten sie Ebionäer, weil sie geringe und armselige Vorstellungen von Christus hatten3). Sie hielten ihn nämlich für einen gewöhnlichen Menschen, der nur wegen seiner sittlichen Vollkommenheit für gerecht erklärt wurde, im übrigen aber die Frucht des Umganges eines Mannes mit der Maria war. Ihrer Ansicht nach war die Beobachtung des Gesetzes durchaus notwendig, weil man nicht allein durch den bloßen Glauben an Christus die Seligkeit erlangen könne. Andere desselben Namens vermieden zwar die widersinnige Ungereimtheit, die Geburt des Herrn von einer Jungfrau und dem heiligen Geiste zu leugnen, gaben aber dennoch nicht zu, daß er vorher existiert habe, daß er der Logos Gott und die persönliche Weisheit sei und hegten sonach dieselbe falsche Ansicht wie die ersteren, zumal auch sie gleich jenen den fleischlichen Zeremonien des Gesetzes nachzukommen sich bestrebten. Sie behaupteten, man müsse die Briefe des Paulus, den sie einen Abtrünnigen vom Gesetze nannten, verwerfen und bedienten sich bloß des sogen. Evangeliums der Hebräer, ohne den andern einen großen Wert beizulegen. Den Sabbath und die sonstige jüdische Lebensweise behielten sie bei, doch feierten sie auch den Sonntag auf dieselbe Weise wie die allgemeine Kirche. Das war die Ursache, daß sie den Beinamen Ebionäer 1j Apg. 3, 44—45; 4, 34, 35. ־) Haer. XXX, 3, 12 ff. ־) H. E. HI, 27: sßK0vaioo$ rod-rou? olxe£0>; eTcs^ju^ov 01 7rpw׳r01, x.cd T«7rs1vö? ׳rät rcspl toö ^purroO xtX. 45