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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 706

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1910-01-01
Page
Seite 706 (sequence 10)
Language
German
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706 Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus geklagt wird, wird hinzugefügt: »Hat nicht Gott die Ar men dieser Welt erwählt, die am Glauben reich sind und Erben des Reiches1), welches er verheißen denen, die ihn lieben? Ihr aber habt dem Armen Unehre getan. Sind nicht die Reichen die, welche Gewalt an euch üben und euch vor Gericht ziehen?« Genau so fassen noch die clementiirischen Homilien und Recognitionen die Seligpreisung der Armut auf. Auch hier sind es die frommen Armen denen Jesus das Himmelreich verhieß2). Von den »Armen i m Geiste« ist hier noch nirgends eine Spur. An die gläubigen Armen, an die dehmutsvellen Anijim und Ebjonim hat sich Jesus gewendet; diese haben auch treu sein Evangelium bewahrt und hingen ihm inbrünstig an. Die Emendation ev 7uvsuaaTt ist aber auch keine harmlose, wie man glauben möchte, sie ist mit Vorbedacht eingeschoben und trägt schon die Marke des Paulinismus auf der Stirne. Und welchen Zweck verfolgte sie? Die Antwort liegt auf der Hand. Der Ebionismus der nazaräischen Gemeinde Jesu wurde schon zu Beginn des zweiten Jahrhunderts, als der paulinische Antinomismus und die johanneische Logoslehre das Feld zu behaupten anfingen, von der heidnischen Kirche für eine jüdische Häresie erklärt; weil er von dem Gesetz nicht lassen wollte und nach wie vor eine geringe Vorstellung von dem Messias hegte. Daß dieser Kirche die Seligpreisung der Ebjonim aus dem Munde Jesu unbequem sein mußte, ist selbstverständlieh. Und so wurden aus den »gläubigen Armen« die »Armen im Geiste«. Man weiß, daß die urchristliche Gemeinde ebionäisch war, und daß die Ebioniten sich rühmten, deren Traditionen treu zu bewahren und nach ihnen zu leben. Sie waren stolz auf den Namen »Ebioniten«, den sie daher leiteten, daß es zu den Zeiten der Apostel Brauch gewe- *) Jac. 2. 5: ׳rou£ 7nr<0)£0u; . . . sv ׳rctaTSi. 2) Hom XV, 10: 6 StoaGX,oc)w0; vfju0v ׳ttict0u^ 7r£vyjTcO sfjiaxapttfsv. Ci Rec. I, 61; 11, 28.

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