Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 702

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1910-01-01
Page
Seite 702 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829827-2829834-2890360--38326-2890441
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

702 Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus mag welcher Meinung immer über ihre Gesetzesaulegung sein, der Heuchelei darf man sie nicht zeihen. Die Hilleis, die Schammais, die Gamliels, ben Sakkais, und wie sie alle heißen mögen, sie waren fromme, gesetzesstrenge, asketisch gerichtete Lehrer; aber von Heuchelei ist nicht die geringste Spur bei Ihnen zu entdecken. Die Lehre, die sie lehrten, lebten sie auch. Die Zeichnung, die Jcsephus von ihnen entwirft, stimmt aufs Haar zu den Gesetzeslehren, wie sie uns im Talmud entgegentreten: »Die Phari״ säer«, sagte er, »leben streng und versagen sich jede Annehmlichkeit. Sie ehren die Alten und maßen sich icht an, deren Anordnungen zu widersprechen. Durch ihre Lehre und Lebensführung besitzen sie beim Volke einen solchen Einfluß, daß sämtliche gottesdienstliche Verrichtungen, Opfer und Gebete nur mit ihrem Gut״ dünken verrichtet werden. Ein so rühmliches Zeugnis der Vollkommenheit gaben ihnen die Gemeinden, weil man überzeugt war, daß sie nur das Edelste suchen in der Lebensweise, wie in der Rede«1). Das waren sicher nicht jene »Schriftgelehrten und Pharisäer«, die Jesus so hart züchtigt und als Heuchler ent׳־ larvt, klagend, daß sie den Leuten schwere und unerträg ־ liehe Bürden an den Hals legen; »selbst aber diese nicht mit einem Finger regen wollen«. Das waren die »Schriftgelehrten und Pharisäer« nicht, »die der Witwen Häuser fressen und lange Gebete vorwenden--2). Die wahrhaften pharisäischen Volkslehrer führten ein weitabgewandtes, gesetzesstrenges und entbehrungsreiches Leben, versagten sich freiwillig jede Annehm־- iichkeit8), völlig hingegeben dem Studium des Gesetzes, dem Ausbau der Traditionslehre. »Das ist der Weg der *) Ant. XVIII, 1, 3: , , ״ lv Tri Skxity) tou ßiou >coci Tiöyot;. 2) Mt. 23, 14. s) Ant. a. a. O.: O? ts y&p *Pocpiacttol tyjv Siakrav s£suTS>i£0uat7, ooSsv sl? TÖ 1x.a^ot%cf>T&pov £vStS0VTS<;.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.