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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 698

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1910-01-01
Page
Seite 698 (sequence 2)
Language
German
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698 Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus nur nicht im mindesten behelligt, wenn die letztem sogar sich völlig ungestört ausbreiten und ihre Propaganda unbehelligt betreiben konnten; warum sollte Jesus selber so hart verfolgt worden sein? Daß aber Jesus den Kreuzestod nicht um seiner Botschaft willen erlitten, steht für uns mindestens außer jedem Zweifel. Und sehen wir näher zu, so verraten dies uns selbst die kanonischen Evang־elien• Es soll durchaus nicht in Abrede gestellt werden, daß Jesus eine intensive Gegnerschaft gegen die pharisäische Schriftauslegung an den Tag legte; aber daß seine vehementen Angriffe lediglich den »heuchlerischen Schriftgelehrten und Pharisäern«, nicht dem pharisäischen Judentum gegolten, wird kein ernster Forscher leugnen wollen; zumal ja feststeht, daß er im Kampfe mit diesen, die sich ihm auf dem Markte stellten, und denen er die heuchlerische Maske vom Gesichte riß, die echten undwahrhaft frommen pharisäischen Schriftgelehrten, wie wir das aus dem Talmud wissen, auf seiner Seite hatte. Diese lebten und webten im Gesetz, selbstlos hingegeben dem Studium desselben, thronten auf den Höhen der sinaitischen Traditionslehre und kamen mit den Massen kaum in engere Berührung. Sie waren »Peruschim«, Abgesonderte, in des Wortes reinster Bedeutung. Und nicht die pharisäische Lehre war es zunächst, die Jesus verurteilte, er erklärte sie vielmehr für nützlich und die Frömmigkeit fördernd; die Heuchelei, der gefärbten Pharisäer war es, gegen die er sein Verdammungsurteil schleuderte. Das spricht er deutlich aus> indem er dem versammelten Volke und seinen Jüngern zuruft: »Alles nun, was sie euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und tut; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht tun; sie sagens wohl und tuns nicht«1). Wohl kämpft er auch gegen die pharisäische Traditionsiehre als solche, weil sie den Menschen unerträgliche Bürden an den Hals lege, hintanstellend, »das Schwerste im Gesetz: das Gericht, die ') Mt. 23, 3.

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