Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 697 (sequence 1)
- Language
- German
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Wie?erMelt sich das Mealmn za lesas aad den entstehendes Christentum? Von M. Freimann• I. Über das Verhalten des offiziellen, d. h. pharisäischen, Judentums zu Jesus, besitzen wir keinerlei direkte historisehe Nachrichten. Die einzigen Quellen, die darüber berichten, sind die Evangelien; und diese sind in ihrer kanonischen Gestalt Überarbeitungen des nazaräischen Urevangelismus, die noch um die Mitte des zweiten Jahrhunderts, als das Christentum längst in die heidnische Welt eingetreten war und im harten Kampf gegen das Judentum und das j ü~ dische Christentum einerseits und den Gnostizismus andererseits stand, noch nicht abgeschlossen waren. Unter dem schweren Ringen mit den übermächtigen Gegnern von rechts und links, aus welchem die heidnische Kirche endlich sieg־־ reich hervorging, erfolgte die Redaktion der Evangelien und schließlich ihre Kanonisierung. Nach diesen derart entstandenen Evangelien, welche unverkennbar die judenfeindliche Stimmung der Großkirche des zweiten Jahrhunderts rettektieren, war das Verhältnis Jesu zum Judentum und umgekehrt ein überaus feindseliges. In uns aber erregt eine solche Darstellung die schwersten Bedenken. Wir können es nicht glauben, daß die Juden Jesum mit einem Haß verfolgt haben sollen, wie die Evangehen ihn schildern, da uns jede Voraussetzung hiefür fehlt und wir keinen triftigen Grund für einen solchen zu erspähen vermögen. Wir schließen so: Wenn der Täufer, der Vorläufer Jesu, wenn die urchristliche Gemeinde nach dem Hingang des Meisters von dem offiziellen Judentum nicht