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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 677

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 677 (sequence 37)
Language
German
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Die Juden bei Wilhelm Raabe. 677 gut haben bei mir«, schloß die Frau Salome Baronin von Veitor. Ich habe versucht, wieder möglichst mit den eigenen Worten des Dichters eine der herrlichsten Frauengestalten zu schildern. Und Raabe hat ihrer viele, sehr viele geschildert. Warum aber, frage ich wie beim Hungerpastor, hat er zur Heldin diesmal eine Jüdin gewählt? Und die Antwort muß ähnlich lauten: weil die Erziehung und Utngebung Salomes ihren Karakter erklärt, ihn wie ein scharfes Relief hervortreten läßt. Gerade eine Jüdin, eine reiche, wirklich vornehme, wahrhaft gebildete Jüdin, die durch Geburt, Erziehung, Verwandtschaft so und nicht anders sich entwickeln mußte, weil gerade eine solche Jüdin das Leider! eines vernachlässigten Mitmenschen am besten verstehen konnte, zumal dieses Wesen ein verwahrlostes weibliches Geschöpf ist. Daher sehe ich in »Salome« das beste, treffendste Gegenbild zu Moses Freudenstein und frage abermals: Hat sich in unserer Zeit ein anderer, christlicher, protestantischer Schriftsteller so vorurteilslos, unbefangen und gerecht gezeigt? ln »Höxter und Corvey« schildert Raabe, wie so oft, eine Zeit tiefster Not Deutschlands, der tiefsten Not, nicht nur wegen äußerer Bedrängnis, sondern fast noch mehr wegen der Verwilderung der Gemüter infolge des dreißigjährigen Krieges. Wir befinden uns im Jahre 1673. Die Franzosen waren wieder einmal in Deutschland gewesen und hatten in der Gegend von Höxter und in der Stadt selbst arg gewirtschaftet. Nun waren sie abgezogen, nachdem sie die Brücke über die Weser abgebrochen hatten. So wartet ein Mönch von Corvey, Bruder Henricus, am rechten Ufer, um von der Fähre übergeholt zu werden. Zu ihm gesellt sich ein zweiter Fahrgast, ein altes Weibchen?,

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