Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Juden bei Wilhelm Raabe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 675 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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675 Die Juden bei Wilhelm Raabe. Affrontenburg«. So fürchtet sie sich denn auch nicht vor Verwicklungen und ist trotz den allerdings nicht ernst gemeinten Warnungen Scholtens sofort bereit einzugreifen, als sie von ihm hört, Eilike sei verschwunden. Sie will mit Vater Querian reden. Eilike aber hat sich, um die schöne Dame noch einmal zu sehen, in deren Villa geflüchtet, wo sie für den langgesuchten Kirschendieb gehalten wird. Salome hat sogleich herausgefunden, was das Kind bewogen hat, daß es gefühlt habe, sie könne ihr helfen, aus ihrem bisherigen Leben hinauszukommen und »will und wird mit souveräner Herrschaft über alle Zustände der Minute Alles in Ordnung bringen«. Auf der Fahrt zu Querian ist es unheimlich schwül; es ist, als ob ein Unheil drohe. Vorder Wohnung des Sonderlings verlangt Schölten auf seine barocke Weise Eingang. »Der Himmel schütze und erhalte mir mein kühl, semitisch Gehirn« seufzt Salome; denn in der Hütte, die endlich geöffnet wird, sieht es beängstigend aus. Schölten lacht gegen sein Versprechen, als der Künstler den Besuchern sein Bildwerk zeigt. Da wirft der Wahnsinnige einen Brand in das Gerümpel, eine furchtbare Feuerbrunst bricht aus. Mit Mühe rettet Salome das Mädchen, sie hilft in dem Brande, der bei dem schrecklichen Sturme rasend schnell im ganzen Dorfe um sich greift, wie und wo sie konnte. »Sie hatte kleine Kinder aus den Häusern getragen und schlechte Habseligkeiten ärmsten Volkes in Sicherheit gebracht; ihre Hände bluteten, ihre Kleider waren zerrissen, und jetzt waren ihre Körperkräfte zu Ende, wenn sie auch ihre geistigen Fähigkeiten noch klar und vollständig beisammen hatte«. Sie hatte auf dem einen Pferde ihren Kutscher nach einer entlegenen Ortschaft um Hilfe geschickt, auf dem zweiten den besten Reiter des Dorfes von dannen gejagt, hatte die Offiziere der herbeieilenden Soldaten empfangen und sie mit der Sachlage und dem Plan des Dorfes bekannt gemacht und dorthin geschickt, wo ihre Hilfe von dem besten Nutzen sein konnte. Nun stand sie an einen 43»