Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Juden bei Wilhelm Raabe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 672 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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672 Die Juden bei Wilhelm Raabe, und können also durchaus nichts davon wissen . . . Aber Sir Moses Montefiore sah mich auf dem Berge Karmel und war in der Tat entzückt.* Sie besitzt eine stattliche Figur — Kraft und Schönheit — schwarzes Haar und schwarze Augen und in den Augen jenes seltsame Suchen der im Gewühl Einsamen. »Ichor!« meint der alte Jurist. Ichor aber; erklärt der Dichter, ist ein griechisches Wort, von den griechischen Menschen gefunden als Bezeichnung für das Blut, welches durch die Adern ihrer Götter rann, als ein klarer Saft. Und klar ist Salome. »Was habe ich mit Euren Mysterien und Mythologien zu schaffen? . . . bleibt mir gefälligst mit Eurer Bratäpfel- und singenden Teekessel- Dämonologie vom Leibe . . ,<< Nüchtern, prosaisch ist sie gleichwohl nicht. Sie steht sich, wie sie sagt, durchschnittlieh recht gut mit den Höhen und Tiefen, den Bäumen und Wassern und allen lebendigen Geschöpfen. Als sie gelegen!- lieh ihrem Pessimismus Ausdruck gibt, meint Schölten verdrießlich : »Sagen Sie, Sie närrische Judenmadam, sehe ich so aus, als ob ich rnir durch sentimental-klägliche Redensarten die Laune verderben ließe? . .. Eine hebräische Millionärin und dazu hübsche und gesunde junge Witwe und zwar aus Berlin, muß sich mir auf eine andere Weise zu den Akten geben, ehe ich ihr und ihrem sonor-rnelan״ cholisch verschleierten Stimmorgan glaube, daß sie sich über ihr Dasein zu beklagen hat. Daß sie sich dann und wann über die krummnasige Verwandschaft und über die liebe Bekanntschaft unter den Christli c h-ge r m an i sch aufgestülpten Riechern zu ärgern hat, will ich gern glauben? . . . »Sie sind doch ein furchtbarer Grobian, Schölten!« »Unter Umständen ja«, brummte der Alte . . . »immer aber da, wo ich nicht nur Menschenfleisch rieche, sondern auch Ichor wittere und man mir dann mit Flausen kommt«. »Flausen!« sagte die schöne Jüdin boshaft lächelnd. »Was für ein Ohr Eure Leute haben», rief der Alte,