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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 670

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 670 (sequence 30)
Language
German
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670 Die Juden bei Wilhelm Raahe. die gnädige Erlaubnis hier zu verkümmern in Dunst und Finsternis1). Aber die Mahalath hatte eine freiere Seele als die stolzeste Christin in der Stadt Prag... Sie war in der Dunkelheit geboren und sehnte sich nach dem Licht . . . Die irren, welche meinen, daß sie starb um den jungen Grafen, der sie mit Gewalt aus ihres Vaters Hause reißen wollte! Die Mahalath lachte über den Toren, der nichts hatte als seinen Namen, seinen Reichtum, Sammetrock und Federhut. Der einzige Ort, wo sie die Sonne sah, war dieses Beth-Chaim!« So sieht es das liebende Mädchen. Der Alte aber berichtet dem Studenten: »Sie hatte eine Liebschaft mit einem jungen Herren von der Kleinseite, vom Maltheserplatz; wir aber sind ein Volk, das was gibt auf seine Ehre; wir sind ein genaues Volk und können sehr grausam sein. So hat das arme Geschöpf sein Leben mit Kummer beschlossen — ’s ist eine traurige Geschichte«. Ja eine traurige Geschichte ist die des armen Judenvolkes und traurig, daß so selten sich Dichter wie unser Raahe finden, die nicht immer bloß das Häßliche und Niedrige, sondern auch das Schöne, Edle, Herrliche in der Geschichte der unsäglichen Leiden dieses unzerstörbaren Volkes schildern. Abu Telfan (1867) und »Der Schüäderupp« (1869) enthalten nichts von Juden, wenn man davon absieht, daß in ersterem einmal der Leutnant Hugo von Bumsdorf seine Gläubiger Juden, nennt (Janke S. 164) und in letzterem das hochwohlgeborene Fräulein Adelaide von Trouin usw, dem Knaben Mennig v. Lauen klagt, daß es gar keine Freude sei, in einer■ so schlechten, gemeinen, plebejischen, demagogischen Judenwelt leben zu müssen. (I. Bd. X. Kap.) Diese beiden Bücher zeigen, ebenso wie die Erzählung »Zum wilden Mann« (1874) eine überaus düstere Welt- V Daß man aus dieser Zahlenangabe den bei aller Poesie pr&k* tischen Sinn der lieblichen Ho-lnnäerbKUe erkennen soll, wie M, Speyer hervorbebt, verstehe ich nicht.

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