Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Juden bei Wilhelm Raabe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 668 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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668 Die Juden bei Wilhelm Raabe. sprechen. Das ist auch M. Speyer aufgefallen; »bei Raabe finden wir den Jargon im Hungerpastor und Frau Salome (?); Jemimas und des alten Pförtners Redeweise ist kein eigentlicher Jargon. (Gar keiner!) Die leicht veränderte Wortstellung gibt Jemimas Sprache einen ganz anmutigen. Reiz, so daß ihre Erzählung von Mahalaths Schicksal wie inhaltlich, so auch stilistisch vielleicht der schönste Teil der Hollunderbiüte ist«. Jemima, der Pförtner und dieepisodische Gestalt der »Tänzerin« (sie heißt so wegen ihrer lieblichen Gestalt) sind uns durchwegs sympathisch. »Erst ist Jemima dem deutschen Studenten nur das jüdische Bettelkind, das ihm um sechs Kreuzer den Weg zum alten Friedhof zeigt Dann sieht er sie losgelöst vom Schmutze der Judengssse im Blumenduft des alten Friedhofs, des blühenden Lebens im Reiche des Todes. Und das Kind ent« wickelt sich in den wenigen Monaten des Beisammenseins zur holden Jung'frau, die reifer und innerlich fester ist als er. Jemima ist eine liebreizende Gestalt von tiefem Gemüts- und Gedankenreichtum«. (Speyer). Sie zu schildern müßte man die halbe Geschichte abschreiben, und Hollunderblüte muß, wie Alles von Raabe, wiederholt gelesen werden, um all die Schönheit der Sprache, den ganzen Kunstverstand, den Adel der Gesinnung, kurz die ganze Größe des Dichters zu erkennen. Raabe verrät auch viele Kenntnis jüdischer Sitten und Gebräuche und M. Speyer weist als auf seine Quelle für den folkloristischen Stoff und das Lokalkolorit auf K. Foges »Altertümer der Prager Josefs.tadt« hin. »Ich wandelte in den engen Gängen (des »Beth Haim»)1) und sah die Krüge von Levi, die Hände Aarons und die Trauben Israels. Zum Zeichen meiner Achtung legte ich wie die Anderen, ein Steinchen auf das Grab des hohen Rabbi Jehuda Löw bar Bezalel«. *) Das Wort mit seinem tiefen Sinne gefällt R. offenbar; er verwendet es in den »Akten des Vogelsangs« sogar für einen Christliehen Friedhof