Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Juden bei Wilhelm Raabe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 667 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden bei Wilhelm Eaabe. 657 Jemima ist, wie die Mahalath an einem Herzfehler und — ihrer Liebe gestorben. £3 ist nun meines Erachtens gänzlich verfehlt, in der Erzählung eine wenn auch objektive Stellungnahme Raabes zum Judenprobleme zu sehen, wie das Marie Speyer in ihrer gründlichen Studie1) tut. Der einfache Vorfall könnte sich dem äußeren Verlaufe nach ganz ebenso zwischen einem christlichen Paare von verschiedener gesellschaftlicher Stellung und verschiedenem Bildungsgrade abspielen. Raabe hat sich, sagt Speyer, wie mit allen Problemen seiner Zeit, auch mit der Judenfrage poetisch beschäftigt. Ideal setzt er sich damit besonders im Hungerpastor (S. 107) auseinander; er sucht das Problem möglichst objektiv zu beurteilen und wenn er Moses Freudenstein nicht \m besten Lichte zeigt, so stellt er neben ihn solche Gestalten, wie Frau Salome und Jemima Löw. In der Hollunderblüte wird vollständig von aller Tendenz abgesehen und vor allem die poetische Seite des Judentums erfaßt. Die Karakferistik ist gerecht Karakteristische Eigentümlichkeiten der Rasse (wie Speyer immer sagt): das zähe Festhalten am Überlieferten, das Gefühl des Zusamniengehörens, eine gewisse Strenge finden Ihren Ausdruck besonders in der Geschichte der Mahalath und die milde Denkungsart des alten Pförtners erinnert an Leasings Nathan. Kann aber von dem Judenproblem nicht geredet werden, so bleibt nur übrig zu betrachten, wie, es kann das nicht oft genug wiederholt werden, sich der Dichter dem einzelnen Juden gegenüberstellt D^mli soll jedoch nicht gesagt sein, daß er nicht auch über das ganze Volk eine feste Anschauung habe. Vor allem aber mag hervorgehoben werden, daß von zwei oder drei Ausnahmen abgesehen, Jemima und ihr alter Verwandter besonders im Affekt, richtig, ja gewählt v) Raabes Hoilunderblüte* Deutsche Quellen und Studien — I, Heft, herausg. von W. Kosch, Regensburg 1908, Habbel.