Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Juden bei Wilhelm Raabe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 663 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden bei Wilhelm Raabe. 663 Böse Geister standen um die Wiege des armen Moses, nur gute um die uneinige.« Ist aber, wie ich wohl denke, der Nachweis gelungen, wie und warum Moses so geworden ist, dann beantworten sich nicht bloß die oben (S. 057) gestellten zwei Fragen in unserem Sinne, sondern wir können auch die (S. 655 f.) angeführte Stelle Ad. Sterns richtig stellen. Die leidenschäftliehe Hingabe an das Beste in der deutschen Volksseele hat wohl Raabe zur Gestalt des Hans Unwirrsch geführt: nicht aber zu der des Moses. Diese geht aus Um- und Zuständen hervor, die nicht zu dem Besten in der deutsehen Volksseele gehören und nicht einen grundsätzlichen Gegensatz will Raabe darstellen — dem widerspricht das Motto des Buches — zwischen dem christlichen Deutschen und dem Juden, sondern, wenn schon eine völlig verschiedene Entwicklung gezeigt wird, so wird eben zugleich gezeigt, ja aufs strengste bewiesen, daß ein Gegensatz notwendig entstehen mußte. Das wird bewiesen, eben weil es Raabe fern liegt, konfessionellen oder Rassenhaß verbreiten zu wollen. Wir werden das aus »Hollunderblüte«, »Höxter und Corvey« und »Frau Salome« noch deutlicher ersehen. Aber nicht nur an dem nun psychologisch und dichterisch erklärten Karakter des Moses, auch aus anderen gelegentlichen, aber nicht absichtslosen — das ist bei Raabe ganz ausgeschlossen — Äußerungen im Hungerpastor können wir eine vorurteilslose, ja freundliche Gesinnung des Dichters gegen die Juden erkennen. Vater Freudenstein, heißt es (47 f.) hatte eine gewaltige Achtung vor den Wissenschaften, wenn auch keine uneigennützige. Er schätzte sie, weil er darin den Talisman glaubte gefunden zu haben, der zugleich mit dem Gelde ein Schild und eine Waffe sei für sein immer noch ob seiner und der Väter Sünden so vielfach bedrängtes und zurückgesetztes Volk.