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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 659

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 659 (sequence 19)
Language
German
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Die Juden bei Wilhelm Raabe. 659 .Janke). Fast wie eine Variation dieser Worte heißt es im »Hungerpastor« (S. 32): »In jenen vergangenen Tagen herrschte — vorzüglich in kleineren Städten und Ortschaften ■— noch eine Mißachtung der Juden, die man, so stark ausgeprägt, glücklicherweise heute• nicht mehr findet. Die Alten wie die Jungen des Volkes Gottes hat- ־ten viel zu dulden von ihren christlichen Nachbarn; unendlich langsam ist das alte schauerliche »Hepphepp«, welches so unsägliches Unheil anrichtete, verklungen in der Welt Vorzüglich waren die Kinder unter den Kindern elend daran und der kleine, gelbe, kränkliche Moses führte ,gewiß kein angenehmes Dasein in der Kröppelstraße. Wenn er sich blicken ließ, fiel das junge nichtsnutzige Volk auf ihn, wie das Gevögel auf den Äufstoß. Gestoßen, an den ■Haaren gezerrt, geschimpft und geschlagen bei jeder Ge- .]egenheit, ließ er sich so wenig als möglich draußen blicken und führte eine dunkle, klägliche Existenz in der halb un- --terirdischen Wohnung seines Vaters. Zu den Vergnügungen der christlichen Jugend gehörte ■ es, den armen Moses zu umringen und ihn zu zwingen, die offene Hand hinzuhalten, worauf sie der Reihe nach hineinspuekten. Hans Unwirrseh hatte bis zu dieser Stunde .auch mit den Wölfen geheult und jetzt kam die Reihe an ihn, in die offene Hand des heulenden Judenknaben zu speien, und wie ein Blitz durchzuckte es ihn, daß da eben eine große Niederträchtigkeit und Feigheit ausgeübt werde. Er befreit Moses und rollt mit ihm aus dem Gewühl die Stufen in den Trödelladen hinab. »Es wohnten seltsame Leute in den Keller, die auch ihren Hunger hatten und ihn nach Kräften zu befriedigen suchten«. Worauf dieser Hunger gerichtet sein m u ßte, zeigt Kap. 4. Samuel Freudenstein war nach einem wechselvollen Leben 1805 in Neustadt eingezogen und wurde nach damaligem, löblichen Gebrauch gleich dem ein- 42*

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